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Qualität im Praktikum verspricht die Fair Company-Initiative
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Fair Company-Initiative

Qualität im Praktikum: Über 3.200 Angebote in der Stellenbörse

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Fair Company-Unternehmen sichern die Chance auf praktische Berufserfahrungen. Und das in hochwertiger Qualität, wie die aktuelle Erhebung des Praktikanten-Feedbacks ergeben hat. Lernerfolg und Betreuung in den Unternehmen sind demnach Spitze, sagen 97 Prozent der befragten Praktikanten und empfehlen "ihr" Unternehmen weiter.
Obwohl sich deutschlandweit seit Einführung des Mindestlohns die Zahl der angebotenen Praktika nahezu halbiert hat, werden Praktika-Suchende bei Fair Company nach wie vor fündig – über alle Branchen und Firmengrößen hinweg. Mehr als 2.000 offene Praktikantenstellen sind derzeit im Angebot, das entspricht einem Zuwachs von mehr als 50 Prozent im Vergleichszeitraum (1. Halbjahr 2016 gegenüber 1. Halbjahr 2015).

Mit Fairness und Transparenz sind die an der Initiative beteiligten Unternehmen anderen einen Schritt voraus und für Praktika-Suchende erste Wahl. Wie die regelmäßige Erhebung des Praktikanten-Feedbacks (auf Basis von 761 anonymer Befragungen) aktuell ergeben hat, beschränken sich Fair Company-Unternehmen nicht auf das Angebot von Pflichtpraktika: Weiterhin haben sie in großer Zahl freiwillige Praktika im Programm – ein Viertel der Unternehmen auch solche, die länger als drei Monate dauern und damit dem Mindestlohn unterliegen. Dies scheint ein Indikator dafür zu sein, welchen Wert Fair Company-Unternehmen ihren Praktikanten beimessen.

Beleg dafür ist darüber hinaus, dass die Unternehmen in Sachen Vergütung insgesamt offener geworden sind: Mittlerweile werden 59,1 Prozent der Praktika mit mehr als 800 Euro vergütet, im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es erst 50 Prozent. Die Verschiebung ergibt sich aus den Unternehmen, die ihren Praktikanten bislang zwischen 500 und 800 Euro bezahlt haben.

Die im Praktikum am häufigsten besuchten Arbeitsbereiche sind

  1. 1) Personal/Organisation
  2. 2) Marketing/Kommunikation
  3. 3) Kaufmännische/Finanzen/Controlling
  4. 4) Forschung & Entwicklung
  5. 5) Gewerblich-technische/Fertigung/Produktion

Im Vergleich zum Vorjahr haben sich hier – mit Ausnahme des ersten Ranges – deutliche Veränderungen ergeben: Der Arbeitsbereich "Marketing/Kommunikation" hat an Beliebtheit gewonnen und ist drei Plätze nach vorne gerutscht, wohingegen der Bereich "Forschung & Entwicklung" vom zweiten Platz verdrängt wurde. Der Arbeitsbereich IT – im Vorjahr noch auf Platz 3 – ist um vier Plätze zurückgefallen, die Einsatzmöglichkeiten haben sich schlicht halbiert. Noch schlechter steht es um den Arbeitsbereich Einkauf/Beschaffung/Materialwirtschaft – Platz 4 des Vorjahres: Statt 11,7 Prozent werden hier nur noch 5,1 Prozent aller Praktika abgeleistet.

Den zwölften und damit letzten Platz belegt die Rechtsabteilung: Offensichtlich handelt es sich hierbei um einen Bereich, der mit großer Einarbeitungszeit bzw. hohem Arbeitsaufwand zu bewältigen ist und in dem der Datenschutz eine große Rolle spielt. Dies scheint nicht mit der Kürze der meisten Praktika kompatibel zu sein.

Erfreulich ist, dass nahezu alle Praktikanten selbstständig und sogar eigenverantwortlich arbeiten durften und die ihnen übertragenen Aufgaben für angemessen hielten. In der Befragung fällt allerdings auf, dass Unternehmen zurückhaltender geworden sind, Praktikanten für Meetings und Teamsitzungen zuzulassen. Das lässt Rückschlüsse zu, dass dafür in den kürzeren Zeiträumen der Praktika offensichtlich weniger Platz eingeräumt wird.

Durchweg positiv fiel das Feedback zum Lernerfolg und zur Betreuung in den Unternehmen aus. Ein Praktikum im jeweiligen Unternehmen wollten 97 Prozent der Umfrageteilnehmer weiterempfehlen – die Arbeitgeberattraktivität der Fair Company-Unternehmen ist damit als ausgesprochen hoch einzustufen.

Was ist das Besondere an Fair Company?

An der Initiative Fair Company beteiligen sich solche Unternehmen, die Praktikanten und Berufseinsteiger fair behandeln, weil sie sich verlässlich zu anerkannten Qualitätsstandards und überprüfbaren Regeln im Praktikum bekennen. Dazu gehört 

• die Zusage, dass die Praktikumsplätze der beruflichen Orientierung dienen
• die Zusage, dass Aufgaben und Ziele für Praktikanten klar definiert sind
• die Zusage, dass Praktika in einem sinnvollen Zeitrahmen stattfinden
• die Zusage, dass Praktika nicht als Probezeit "missbraucht" werden
• die Zusage, das Praktikum angemessen zu vergüten
• die Zusage über Transparenz in Sachen Zielsetzung, Aufgaben, Ansprechpartner und Regelwerk.



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Dieser Artikel ist erschienen am 03.10.2016
 

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