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Vor- und Nachteile von Großraumbüros
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Großraumbüro

Offen für alles

Interview: Marius Wolf, wiwo.de
Großraumbüros schränken einer Studie zufolge die Kommunikation der Mitarbeiter erheblich ein. Doch die Arbeits- und Organisationspsychologin Eva Bamberg meint: Wenn man es richtig angeht, haben offene Räume auch Vorteile.
Frau Bamberg, zwei Harvard-Forscher kamen jüngst in einer Studie zu einem ernüchternden Ergebnis: Demnach verringern Großraumbüros die Kommunikation der Mitarbeiter untereinander erheblich. Was halten Sie davon?

Ein Großraumbüro hat Vor- und Nachteile. Letztlich ist es die Frage, um was für eine Arbeit es geht. In Bereichen, in denen die Kommunikationsprozesse eher kurz sind und schnell gehen müssen, kann so ein Büro sehr nützlich sein. In anderen Bereichen wird es als sehr störend empfunden, weil Mitarbeiter abgelenkt werden, weil sie oft keine Rückzugsmöglichkeit haben und sich beobachtet fühlen. Ganz pauschal: Wenn Sie eine eher einfache Tätigkeit haben, ist so ein Modell nicht unbedingt schlecht.

Welche Tätigkeit zum Beispiel?

Bei manchen Tätigkeiten im Dienstleistungsbereich, bei Bürgerämtern wurden beispielsweise Großraumbüros eingeführt. Wenn man Verwaltungstätigkeiten ausübt, die relativ eintönig sind, kann ein Großraumbüro auf jeden Fall Vorteile haben. Genauso wie bei Innovationsprozessen, wenn sich kurzfristig kleine Gruppen bilden müssen. Aber man muss sehr genau auf die Bedingungen achten. Viele beklagen im Großraum den Mangel an Privatsphäre oder den Lärmpegel.

Psychologen sprechen von "differentieller Arbeitsgestaltung". Das heißt, dass man den Wünschen und Bedürfnissen der Beschäftigten so weit wie möglich nachkommen sollte. Für Menschen, die das Bedürfnis nach Privatsphäre am Arbeitsplatz haben, muss man den entsprechenden Raum schaffen können.

Wie soll das in Großraumbüros gehen?


In Rückzugsräumen, die sich jeder reservieren kann – und wo jeder für sich ist. Das wird beispielsweise in Hochschulen in der Schweiz so gehandhabt. Wenn es diese Rückzugsräume für jeden einzelnen gibt, wenn Klima und Licht gut und gestaltbar und Lärmquellen ausgeschaltet sind, kann man nicht pauschal sagen, dass Großraumbüros schlecht sind.

Manche greifen auf Kopfhörer zurück, aber dann bekommen Sie von den Kollegen gar nichts mehr mit. Kann man die Ablenkung durch Lärm überhaupt sinnvoll verhindern, ohne die Kommunikation völlig zu vernachlässigen?

Natürlich. Durch die Architektur des Raumes oder die Wände. Teppichboden schluckt den Lärm auch ganz gut. Ein ganz wesentliches Gestaltungsprinzip ist aber: Man muss die Mitarbeiter am Entstehungsprozess beteiligen. Wenn man die Menschen, die dort arbeiten müssen, in die Planungen einbezieht, können deren Interessen bei der Gestaltung berücksichtigt werden. Dann bestehen gute Voraussetzungen, dass ein Großraumbüro später auch akzeptiert wird.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 08.08.2018