Die Wirtschaftslenker von morgen sollen verstehen, warum die Welt so ist, wie sie ist. Nicht nur reines Managerwissen, sondern auch Soziologie, Geschichte und Politik sollen zukünftig auf dem MBA-Programm stehen. Experten sind von dieser Verbindung überzeugt.
Es ist das Modewort der Managementausbildung: Ethik. Hastig hantierten viele Wirtschaftshochschulen mit dem Begriff. Der Vorwurf, eine Teilschuld an der Finanzkrise zu tragen, sitzt tief. Doch: "Die Ethikdiskussion war nur ein Vorbote, sie verkürzt das Thema zu sehr", sagt Ayad Al-Ani, Leiter der Wirtschaftshochschule ESCP Europe in Berlin. Eigentlich gehe es um das große Ganze; um Soziologie, Geschichte und Geopolitik. Genau diese Themen halten nun Einzug in die MBA-Programme.Im März 2011 startet ein neues Programm für erfahrene Manager in den USA und Spanien. Die IE Business School und die Brown University haben sich dafür zusammengetan. In dem 15-monatigen Programm lernen die Teilnehmer nur noch zwei Drittel Managementwissen. Der Rest ist für Politik, Geschichte und Globalisierungsthemen reserviert. Das 95.000 Dollar teure Programm geht bei dem Thema weit über das hinaus, was IE in anderen Studiengängen anbietet. "Für uns ist das die Zukunft des MBA oder eines Teils davon", sagt IE-Professor David Bach. Ein Drittel globale Themen im MBA? Joachim Bitterlich ist auch das noch zu wenig. "Die Manager von morgen brauchen das Rüstzeug für die Länder, in denen sie künftig agieren", sagt Bitterlich, der einmal als einer der mächtigsten deutschen Diplomaten galt und heute für den französischen Konzern Veolia Environnement arbeitet. "Wenn künftige, echte Führungskräfte ausgebildet werden sollen, müssen Themen wie Geopolitik, Geschichte und Kultur die Hälfte eines MBA-Programms ausmachen."Zusammenführung von Politik und WirtschaftOb Al-Ani, Chef der Berliner ESCP, an dessen Pariser Partnerschule Bitterlich lehrt, so weit geht, steht nicht fest. Aber: "Wir sprechen gerade mit der Hertie School of Governance darüber, wie wir das Thema Politikfeldanalyse stärker in unsere Master- und Executive-Programme integrieren können. Die Dichotomie zwischen Politik und Wirtschaft ist in der Managerausbildung nicht sinnvoll", sagt er. Etwas Ähnliches schwebt auch Christopher Jahns, Leiter der EBS Universität für Wirtschaft und Recht, vor. Jahns will an der EBS eine Fakultät für Politik aufbauen, und Studiengänge an der Schnittstelle zwischen Politik und Wirtschaft etablieren.Die Programme könnten ähnlich aufgebaut sein, wie der Global Executive MBA für erfahrene Manager, den die spanische Wirtschaftshochschule Esade mit der amerikanischen Georgetown University anbietet. Das Besondere daran: Die Spanier kooperieren auch mit der dortigen Fakultät für internationale Beziehungen, einer der renommiertesten in den USA. Die Teilnehmer des 14-monatigen Gemeinschaftsprogramms diskutieren auch in Lateinamerika, Indien und Russland mit Unternehmensvertretern. Bei den Studenten kommt der Wandel an. "Das braucht man, um die Globalisierung zu verstehen", sagt einer.
Deutschland ade: Unternehmen verlagern Produktion, Verwaltung und Forschung in alle Welt – weil Schwellenländer wettbewerbsfähiger werden und Manager durch Herkunft und Werdegang so weltoffene wie nüchterne Kalkulierer sind wie keine Generation vor ihnen.
Ein MBA-Abschluss gilt als Eintrittskarte in die Top-Etagen der Wirtschaft. Doch mehr als 10.000 Programme gibt es inzwischen weltweit: Für den Nachwuchs ist die Wahl der richtigen Wirtschaftshochschule also schwieriger denn je. Karriere.de zeigt anhand der wichtigsten internationalen Ranglisten, wo sich das Studium wirklich lohnt.
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Foto: G. Altmann/Pixelio
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