Interview Management-Ausbildung

„Die Krise hat die Lehre verändert“

Interview: Astrid Dörner
Die Wirtschaftshochschule Wharton gilt als eine der besten Adressen für die Management-Ausbildung weltweit. Ihr Dekan Thomas Robertson spricht im Interview über die gestiegenen Anforderungen an Manager, die Kritik am Kurzfrist-Denken und die Reaktion auf ethische Verfehlungen einzelner Absolventen.

Foto: HB

Herr Robertson, die Ausbildungsstätten für Manager, die Business-Schools, stehen massiv in der Kritik. Was muss sich ändern?

Thomas Robertson: Die Hälfte unserer Studenten wird künftig in Branchen arbeiten, die es heute noch gar nicht gibt. Deshalb müssen wir sie so ausbilden, damit sie alle nötigen Instrumente zur Hand haben. Wir müssen Leute für eine Welt ausbilden, von der wir nicht wissen, wie sie aussehen wird. Die Welt ist sehr komplex.

Die Studenten müssen lernen, in unsicheren Zeiten Entscheidungen zu treffen. Außerdem spielen heute die Regierungen in Europa und in den USA eine viel größere Rolle in der Geschäftswelt. Führungskräfte kümmern sich deshalb mehr Zeit denn je auch darum.

Reichen dafür ein oder zwei Jahre Management-Studium?

Wenn uns die Ereignisse der vergangenen Jahre etwas gelehrt haben, dann, dass sich die Spielregeln der Wirtschaft rapide verändern können – und damit auch die Ausbildung der Manager. Die globalen Führungskräfte der Zukunft müssen sich auf enorme Veränderungen in ihrem Leben einstellen.

Damit muss sich auch die Ausbildung ändern. Wir haben uns dem lebenslangen Lernen verpflichtet. Bei  Anwälten und Ärzten wird es vorausgesetzt, dass sie sich ständig weiterbilden. In der Geschäftswelt sollte es auch so sein.

VITA:
Der Hochschulchef Thomas Robertson, 1942 in Schottland geboren, leitet seit 2007 die Wharton Business School der US-Universität Pennsylvania, die in etwa einer betriebswirtschaftlichen Fakultät entspricht. Der reformfreudige Dekan ist ihr akademischer und kaufmännischer Chef.

Erfahrung als Hochschulmanager hat Robertson, der von 1998 bis 2004 als Dekan die Goizueta Business School der Universität Emory internationalisierte und vergrößerte. Der Wissenschaftler  Robertsons Forschungsgebiet sind Marketingstrategien und das Verhalten von Konsumenten.

Er hat in den 1990er-Jahren an der London Business School gelehrt, die ebenfalls zu den besten Wirtschaftshochschulen der Welt zählt. Weitere Top-Schulen listet seine Biografie: Er begann seine Karriere an der Anderson School der Universität von Kalifornien in Los Angeles, unterrichtete in Harvard und war mehr als 20 Jahre Professor in Wharton.


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