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Unfallgefahr

Wenn das Unternehmen aus der Bahn geworfen wird

Kerstin Dämon, wiwo.de
Verunglückt ein Unternehmer, kann das schlimme Auswirkungen auf seine Firma haben. Start-up-Gründer Hiroki Takeuchi erzählt, wie ein Unfall sein Leben veränderte.
Im Juli 2015 verlor SAP-Vorstandschef Bill McDermott durch einen Sturz sein linkes Auge. Ein Unfall. Aufsichtsratschef Hasso Plattner machte daraufhin einen Notfallplan. Für den Fall, dass McDermott nicht mehr antritt.

Einen solchen Unfallplan haben nur wenige Unternehmen, wie der Notar und Professor an der Schumpeter School of Business and Economics der Bergischen Universität Wuppertal, Wolfgang Baumann gegenüber WirtschaftsWoche sagte.

Wenn ein Firmeninhaber nach einem Unfall nicht mehr oder länger nicht geschäftsfähig sei und für diesen Fall nicht über eine Prokura vorgesorgt habe, könne dies "zum Stillstand des Unternehmens führen. Bankkonten sind eingefroren ohne Vollmachten. Steuern, Sozialabgaben, Gehälter und Lieferanten können nicht bezahlt, Verträge mit Kunden oder Mitarbeitern nicht geschlossen werden", sagt er.

Vorsorgen für den Ernstfall

Kleine und mittelständische Unternehmen sind auf den Ernstfall oft nicht gut vorbereitet, wie es bei den Handwerks- und Handelskammern heißt. Auch viele Selbstständige denken nicht daran, dass über eine Lebensversicherung nur der Todesfall abgesichert ist, heißt es bei der Handwerkskammer Stuttgart. Fallen sie für längere Zeit gesundheitsbedingt aus, kann das nicht nur Betrieb und Mitarbeiter, sondern auch die Existenz der eigenen Familie bedrohen. Die Kammer bietet ihren Mitgliedern deshalb Checklisten an: Wer ist zuständig, wo finde ich alle wichtigen Informationen und Kontaktdaten, wer ist zu informieren und wer hat welche Vollmachten?

Denn Unfälle, die das Leben der Betroffenen und das ihrer Angestellten auf den Kopf stellen, kommen leider häufig vor. So hat es allein im vergangenen Jahr nur in Deutschland 308.183 Autounfälle mit Verletzten gegeben. Mit einem gebrochenen Fuß und ein paar blauen Flecken ist es leider nicht immer getan. Die Statistik zeigt, dass 10.100 weibliche und 26.580 männliche Unfallopfer aus dem Jahr 2015 auch nach Krankenhausaufenthalt und Reha eine Schwerbehinderung zurückblieb. Wie bei Hiroki Takeuchi. Am 22. September 2016, einem Donnerstag, fuhr der Gründer des Fintechs GoCardless mit dem Rad durch London. Takeuchis täglicher Frühsport rund um den Regent’s Park. Dann kam das Auto. 

Frühzeitig einen Plan für das Unternehmen entwickeln

Er habe keine rote Ampel überfahren, sei nicht falsch abgebogen, es sei einfach ein Unfall gewesen. Einer von 140.086 in Großbritannien im vergangenen Jahr. Nach einer achtstündigen Operation im St Mary’s Krankenhaus stand fest: Takeuchi würde nie wieder laufen können. "Ich muss mit Matt sprechen." Das sei sein erster Satz gewesen, nachdem er aus der Narkose aufgewacht sei. Matt Robinson gründete gemeinsam mit Takeuchi 2011 das Start-up, das sich komplett auf digitale Lastschriften spezialisiert und es Unternehmen ermöglichen will, wiederkehrende Zahlungen von überall in der Welt einziehen zu können.

Das junge Unternehmen brauchte einen Plan. Robinson, der im selben Jahr ein weiteres Start-up gründete, informierte die Mitarbeiter. Zu einem Notfall-Meeting mit den Investoren schaltete sich Takeuchi per Telefon zu. Keine 24 Stunden nach der OP. Für ihn sei immer klar gewesen, dass er seine Firma weiterführen werde. Das sei seine Motivation gewesen, sich durchzubeißen. "Für mich kommt es nicht in Frage, das Unternehmen zu verkaufen und mich mit dem Geld zur Ruhe zu setzen. Das war nie der Plan", sagt er. "Ich freue mich darauf, mit meinem Team weiter an der Idee hinter GoCardless zu basteln und das Unternehmen auszubauen."