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Das Verhalten von Tieren ist oft ein guter Spiegel für Menschen.
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Unternehmensführung

Kampf der Alphatiere

Nora Jakob, wiwo.de
Das Verhalten von Tieren ist oft ein guter Spiegel für Menschen. Auch in Unternehmen gibt es Alphamännchen oder -weibchen, Platzhirsche und Leitkühe. Klassische Entlehnungen aus dem Tierreich stehen für starkes Machtbewusstsein. Konstruktive Führungstypen sind dagegen unbekannter, passen aber besser in die heutige Zeit.
Haben Sie sich schon mit dem Führungsstil von Tieren auseinandergesetzt? Davon können Manager durchaus etwas lernen. Löwe und Gorilla – Typ starker Herrscher – sind allerdings keine idealen Vorbilder, wenn es darum geht, im Unternehmen zu kooperieren oder Konflikte auszutragen. Leithammel können auf Dauer den finanziellen Gewinn eines Unternehmens schmälern. Auf lange Sicht tun sie auch der Unternehmenskultur nicht gut.

"Ein Wolfsrudel zum Beispiel ist sehr interessant, weil es von einer Art Doppelspitze geführt wird. Der Leitwolf übernimmt den freundlichen, anerkennenden Part. Während sich der Beta-Wolf um die Disziplin kümmert und die Rudelmitglieder auf Linie bringt. Sowas macht unbeliebt", sagt Autor Matthias Nöllke. Er schreibt Bücher über Management und Kommunikation, aber auch über Managementbionik. Ein Beta-Männchen steigt übrigens sehr selten zum Leitwolf auf. Es hat schlicht zu wenig Rückhalt im Rudel.

Die Wölfe machen ein Verhalten vor, das sich gut auf Unternehmen übertragen lässt – und eine "kaum zu schlagende Kombination" für ein Unternehmen darstellt, wie Nöllke es nennt. Hinter dem beliebten Chef steht eine Nummer zwei, die für die unangenehmen Dinge zuständig ist – sich gleichzeitig aber durch absolute Loyalität für das Alpha-Tier auszeichnet, ebenso wie durch Genauigkeit, Fachwissen und Hartnäckigkeit.

Führungskräfte dürfen nicht konfliktscheu sein

Dafür eigenen sich allerdings nicht alle Menschen, denn es wird schon sehr deutlich, dass einer immer wieder zurückstecken muss und niemals an die Spitze aufsteigen kann – und das wollen nur wenige. Gleichzeitig gilt: Nummer zwei kann nicht immer als Blitzableiter fungieren, auch der Leitwolf muss zubeißen können.

Anders ist es beispielsweise bei Meerschweinchen, die keinem Kampf aus dem Weg gehen, um sich an die Spitze der Gruppe zu setzen. Das bedeutet aber auch: Meerschweinchen-Chefs können sich nicht lange halten. Ihre Amtszeit verkürzt sich mit jedem machtbewussten Tier in der Gruppe. Nicht selten stirbt der Gewinner dieser Revierkämpfe an einem stressbedingten Herzversagen – und die Kämpfe beginnen wieder von vorn.

Meerschweinchen haben es nicht leicht. Trotzdem können Führungskräfte sich von ihrem Verhalten etwas mitnehmen: Sie dürfen nicht konfliktscheu sein, vor allem nicht dann, wenn sie die Führungsrolle gerade erst übernommen haben. Denn Kollegen vom Typ Meerschweinchen, die einen ähnlich hohen oder höheren Machtanspruch haben, werden versuchen, den neuen Chef herauszufordern und vielleicht auch zu diskreditieren.