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Nur selten gibt es Lob vom Vorgesetzten.
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Wertschätzung im Job

Gut gemacht!

Tina Groll , zeit.de
Echte Wertschätzung bringt Innovationskraft hervor, doch nur wenige Chefs sprechen regelmäßig Lob und Anerkennung aus. Warum Führungskräfte dringend mehr loben sollten.
Nur selten gibt es Lob vom Vorgesetzten. Wer nicht gerade in herausragenden Projekten arbeitet, sondern schlicht seinen Job macht, der kennt das. Viele Beschäftigte geben in Umfragen an, dass sie seit Jahren nicht von ihrem Chef für ihre Arbeit gelobt wurden. Das ist bitter.

Und hat langfristige Folgen: Die einen erwarten schon gar keine Wertschätzung mehr und haben sich damit abgefunden, dass der Job einfach nur Broterwerb ist. Sie halten ihre Leistung zurück. Das heißt aber auch: Sie engagieren sich in der Regel nicht mehr dafür, das Unternehmen, ein Produkt oder einen Arbeitsablauf zu verbessern. Und die Zahl der Unzufriedenen steigt stetig. Zuletzt stellte eine Studie der Initiative Gesundheit und Arbeit (IGA) fest, dass mindestens jeder fünfte Beschäftigte innerlich bereits gekündigt hat.

Lob ist die kostengünstigste Motivation

Die anderen ziehen aus dem fehlenden Lob ihre Konsequenzen: Diese Mitarbeiter suchen sich entweder einen anderen Job oder sie machen nur noch Dienst nach Vorschrift und suchen ihre Verwirklichung außerhalb der Arbeit. Auch hier entgeht dem Unternehmen jede Menge Potenzial. Nicht zu loben hat damit eine fast zerstörerische Kraft. Und es ist dumm: Loben ist nicht nur die beste Motivation, sondern auch die kostengünstigste.

Dabei macht Lob Mitarbeiter erwiesenermaßen kreativ, loyal und leistungsbereit. Immer wieder stellen Studien fest: Kaum etwas spornt Beschäftigte so an (und verbessert das Wohlbefinden am Arbeitsplatz und damit auch nachhaltig das Betriebsklima) wie Wertschätzung seitens der Führungskräfte für alle Mitglieder eines Teams. Trotzdem verzichten die meisten Chefs darauf.
 
Befragungen unter Personalverantwortlichen zeigen die Gründe: Oft sind die Führungskräfte selbst überlastet. Oft fehlen ihnen wichtige soziale Kompetenzen – und nicht selten liegt es auch an der Einstellung zum Team. Eine Führungskraft, die ihre Mitarbeiter nicht wirklich schätzt, wird auch seltener loben. Wieder andere finden Lob schlicht überflüssig und führen nach dem Motto "Nicht gemeckert ist gelobt genug".