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Agiles Management gilt als Zauberformel für Zukunftsfähigkeit.
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Agiles Management

Flach, flacher, am flachsten: Hierarchie ohne Chef

Christine Weißenborn, wiwo.de
Agiles Management gilt als Zauberformel für Zukunftsfähigkeit. Das Kalkül: Wo Hierarchien verschwinden, sprudeln die Ideen. Warum es dann trotzdem zu Chaos kommt.
Vor zwei Jahren schaffte Joana Breidenbach sich selber ab. Im Jahr 2007 hatte sie die Spendenplattform Betterplace gegründet, 2010 war eine eigene Denkfabrik dazugekommen. Nun wollte die Unternehmerin kürzertreten – und merkte, dass sie als Gründerin auf dem Chefsessel schwierig zu ersetzen war. Da ließ sich Breidenbach von einem Buch inspirieren.

In seinem Werk "Reinventing Organizations" beschreibt der belgische Berater Frederic Laloux, wie sich Organisationen auf die Zukunft vorbereiten und ihren Angestellten den Sinn ihrer Tätigkeit vermitteln können. Breidenbach entschied nach der Lektüre, sich auf ein Experiment einzulassen: Das Team entwickelte eine flexible Hierarchie ohne Chef. Mitarbeiter übernahmen konkrete Zuständigkeiten und erhielten weitreichende Entscheidungsfreiheit.

Der Plan ging auf: Inzwischen trägt das zwölfköpfige Team die Verantwortung für ein Budget in Höhe von 1,2 Millionen Euro, selbst die Gehälter werden in der Gruppe diskutiert. Breidenbach ist nur noch als Beraterin für ihr Unternehmen tätig. Die meisten "Mitarbeiterchefs" seien von der neuen Autonomie begeistert. Doch sie gibt auch zu, dass die große Freiheit anstrengend ist.

Partizipation bringt Motivation bringt Innovation

Breidenbach orientiert sich an dem Begriff Agilität, den Organisationstheoretiker und -praktiker mit fast schon religiösem Eifer predigen. Vereinfacht gesagt geht es um neue Formen der Führung und Zusammenarbeit. Die Idee dahinter ist simpel: Partizipation bringt Motivation bringt Innovation. Diese Philosophie soll für mehr Erfolgserlebnisse sorgen in einer Welt, die langfristige Projekte zunehmend erschwert.

Bereits im Jahr 2001 verabschiedeten einige US-Programmierer ein agiles Manifest. Darin geißelten sie die traditionelle Herangehensweise, bei der ein Auftraggeber zunächst seine Wünsche äußert, daraufhin daumendicke Konzepte erstellt und erst dann Ergebnisse präsentiert werden, wenn an jedem Projektpunkt ein Sternchen glitzert. Selbst dann, wenn das Monate oder Jahre dauert, der Auftraggeber hinterher unzufrieden ist oder die Konkurrenz längst etwas Besseres entwickelt hat.

Stattdessen forderten die Programmierer, künftig Menschen zu vertrauen, Kunden in den Mittelpunkt zu rücken und Veränderungen flexibel und bei Bedarf sofort anzustoßen, anstatt auf fixen Plänen und Abgabefristen zu beharren.

Was in der Softwarebranche begann, breitet sich auch in anderen Branchen aus. Laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement in Kooperation mit der Hochschule Koblenz werden die Methoden in jedem vierten Fall außerhalb der IT eingesetzt.