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Boss mit Leidenschaft
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Führungsqualität in der Diskussion

Chef mit Leidenschaft

Kerstin Dämon, wiwo.de
Was macht eine gute Führungskraft aus? Ist fachliches Wissen entscheidend oder doch der Charakter? Obwohl Experten sagen, dass Führungsstärke eine Charakterfrage ist, sehen Erwerbsbiografien von Chefs alle gleich aus.
Eine schlechte Unternehmenskultur macht Mitarbeiter unzufrieden, zeigt der aktuelle AOK-Fehlzeitenreport. Doch was macht gute Unternehmenskultur eigentlich aus? Darauf hat der Bericht eine Antwort: Transparenz, Mitbestimmung, Rückhalt, Kommunikation, Wertschätzung und Sozialleistungen, die über das Nötige hinaus gehen.

Diese Dinge zu gewährleisten und vorzuleben, ist Aufgabe der Führungskräfte. Und zwar vom CEO bis runter zum Abteilungs- oder Teamleiter.

Unternehmenskultur hängt auch von der Führungskultur ab, das ist klar. Die Frage, was einen guten Chef oder eine gute Chefin eigentlich auszeichnet, bleibt.

Charismatisch, anständig und mit Querdenker-Mentalität

Die Antworten auf diese Frage sind vielfältig: Der US-Forscher und Unternehmensberater Fred Kiel sagt, Führungskräfte brauchen Integrität, Verantwortungsbewusstsein, Empathie und Versöhnlichkeit – kurz: einen guten Charakter. Managementberater Reinhard K. Sprenger schreibt: Gute Führungskräfte haben Anstand. Personalexperte Thomas Sattelberger ist überzeugt, dass es ohne mutige Querdenker in den Führungsetagen nicht lange gut gehen wird mit der Innovationskraft deutscher Unternehmen.

Von einem MBA-Abschluss, dem Ingenieursstudium oder der Promotion in Jura spricht dagegen niemand.

Führungsqualitäten hängen nach Meinung der Experten also nicht von einer bestimmten Erwerbsbiografie ab. Schaut man jedoch in die Führungsriegen der deutschen Unternehmen, findet man vielerorts den Norm-Chef: Ingenieur, Wirtschaftswissenschaftler oder Jurist, gerne promoviert, häufig über Jahrzehnte im Konzern hochgedient. Und natürlich männlich.

Typisch deutsche Karrierewege

Das Phänomen beschränkt sich allerdings nicht nur auf die Dax-Konzerne und vergleichbare Global Player – auch im Mittelstand finden sich klassische Manager-Biografien: So ist Heinz-Walter Große, Chef des Pharma- und Medizinbedarfsunternehmens B. Braun Melsungen AG, promovierter Betriebswirt. Der CEO der im MDax gelisteten Aareal Bank, Hermann Josef Merkens, hat an der Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin seinen Diplom-Kaufmann gemacht. Die VEMAG Maschinenbau GmbH aus Verden in Niedersachsen wird von einem Diplom-Wirtschaftsingenieur geführt und bei dem Technologieunternehmen LPKF Laser & Electronics ist der CEO ein studierter Maschinenbauer und Wirtschaftswissenschaftler mit Doktortitel. Um nur eine kleine Auswahl zu nennen.

Germanisten, Ostasienwissenschaftler oder Sozialpädagogen werden offenbar alles – nur nicht Chef. "Ich denke, es ist ein deutsches Problem, dass man häufig auf bestimmte Karrierewege fixiert ist. In den USA und Großbritannien zum Beispiel ist man deutlich aufgeschlossener", sagt Nico Rose, Head of Employer Brand Management beim Medienkonzern Bertelsmann.

Sein Arbeitgeber startet im April kommenden Jahres ein 20-monatiges Trainee-Programm speziell für Geistes- und Sozialwissenschaftler, die eine Management-Karriere im Konzern beginnen wollen.


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