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Agile Unternehmen haben deutlich höhere Margen.
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Umstrittenes Managementprinzip

Agile Führung bringt bares Geld

Kerstin Dämon, wiwo.de
Agilität wird gerne als bloßer Hype belächelt, wirkt aber tatsächlich gewinnbringend. Unternehmen, die sich konsequent darauf einlassen, erreichen überdurchschnittliche Ergebnisse und stärkeres Wachstum als die Konkurrenz. Voraussetzung: Das Thema muss tief in der Unternehmenskultur verankert sein.
Kollegen stellen neue Kollegen ein. Zwei Leute arbeiten an einem PC. Stechuhr, Boni und Beförderungen gibt es nicht, dafür viele bunte Post-ist, ganz viel Eigenverantwortung und Transparenz: Der Düsseldorfer Internet-Telefonanbieter Sipgate lebt Agilität und bringt den großen deutschen Konzernen bei, wie das funktioniert. Der Bedarf nach derartigen Best-Practice-Vorbildern und Beratern ist riesig, denn ohne den richtigen Unternehmensgeist arbeitet es sich heute schon nur noch schlecht.

Schon morgen könnten Unternehmen mit starren Prozessen ganz verschwinden. Das sagt zumindest Michael Wade. Er ist Professor für Innovation und Strategie an der Schweizer Business School IMD und Leiter des Global Center for Digital Business Transformation – einem Gemeinschaftsunternehmen der IMD mit dem Netzwerkausstatter Cisco. Unternehmen müssten bereit sein, jeder Zeit auf eine Veränderung zu reagieren. "Das Zauberwort heißt Agilität", so Wade.

Auch wenn der Begriff inflationär gebraucht wird, handelt es sich hierbei nicht um einen Hype, der in ein paar Wochen niemand mehr interessieren wird.

Agiles Management muss gelebt werden

Das verdeutlicht eine Studie der Boston Consulting Group (BCG). Für sie hat die Unternehmensberatung 1100 Führungskräfte und Mitarbeiter aus zehn Branchen in mehr als 40 Ländern befragt. "Nicht-strukturelle Faktoren wie agile Arbeitsweisen gewinnen stark an Bedeutung", fasst Fabrice Roghé, Partner bei BCG und einer der Studienautoren die Situation in den Unternehmen zusammen. Das lohnt sich: Agile Unternehmen erreichen bis zu fünfmal höhere Margen und stärkeres Wachstum als die Konkurrenz aus derselben Branche.

Für eine derartige Performance genügt es jedoch nicht, die Chefin ins Großraumbüro zu setzen oder den Vorstand zu duzen, wie die Studie "Die Zukunft der Organisation" belegt. Auch die Einführung agiler Arbeitsweisen wie Scrum-Teams, Sprints und sogenannte Standup-Meetings sei oft nicht ausreichend. "Die Verankerung von agilen Prinzipien in Organisation und Personalprozessen, etwa in Führungsmodellen, bei der Ressourcenallokation oder im Performance Management macht den größeren Unterschied aus", erklärt Roghé.