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Mittelstand macht mobil
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Karrierechancen

Mittelstand macht mobil

Anne Koschik
Auf der Suche nach einem attraktiven Arbeitgeber sind viele Hochschulabsolventen gleichgesteuert: Sie orientieren sich an hippen Marken oder den jährlich ausgezeichneten Top-Unternehmen in Deutschland. Nur selten lenken sie spontan ihren Blick auf mittelständische Unternehmen.
Meist landet der begabte Nachwuchs – die in Personalabteilungen heiß ersehnten Talente – bei den Dax-Konzernen, die oft überdurchschnittliche Einstiegsgehälter zahlen und großstadtnah angesiedelt sind.

Ihre weltweit bekannten Namen schmücken Person und Lebenslauf.

Jährlich erscheinen die Rankings der Top-Arbeitgeber, bei denen Absolventen am liebsten arbeiten möchten. Die Marken und Produkte dieser Global Player sind weithin bekannt: Audi, BMW, Deutsche Lufthansa, Adidas, Siemens, Deutsche Bank, Ernst & Young, Google, Coca-Cola, L'Oréal, Ikea. Hier kann man sich ein Bild davon machen: www.greatplacetowork.de; www.toparbeitgeber.com; www.deutschlands100.de

Klingende Namen

Wer möchte nicht gerne seinen Lebenslauf mit diesen klingenden Namen schmücken, seiner Karriere dadurch einen Push geben und Wohlklang verleihen?

An dieser Stelle sei gesagt: Wer plant, in naher Zukunft ein Unternehmen zu gründen, sollte sich diesen Schmuck auch besser zulegen. Wer in seiner Vita auf Praktika oder erste Berufserfahrungen in namhaften Konzernen hinweisen kann, hat es leichter bei der Kreditvergabe, bei der Suche nach Kapital und Sponsoren, beim Marketing und im Kundengespräch. (www.karriere.de/karriere/gruender)

Das Betätigungsfeld in großen Konzernen ALLERDINGS wird von den Bewerbern maßlos überschätzt. Denn die Hierarchien sind ausgeprägter und es dauert deutlich länger, bis ein Berufseinsteiger Entscheidungskompetenzen erhält: Arbeiten ist oft langweiliger und umständlicher, als gedacht.

Aber der Mittelstand?

Mittelstand ist mit vielen Klischees behaftet: In den Köpfen spuken die Bilder von patriarchalischen Chefs, Firmensitzen im Nirgendwo, fehlender Internationalität und mangelnden Aufstiegschancen.

Weit gefehlt: In den 3,7 Millionen mittelständischen Unternehmen mit knapp 27 Millionen Mitarbeitern lässt sich häufig die schnellere, auch internationale Karriere machen. Denn zahlreiche dieser Unternehmen zählen zu den so genannten "Hidden Champions" – hoch spezialisierten und solide aufgestellten Weltmarktführern. Ihre Produkte sind vielen unbekannt.

Innovationsstarke Umgebung

Solche mittelständischen Unternehmen punkten mit individuellen Entwicklungspfaden, Innovationsstärke, flachen Hierarchien, kurzen Entscheidungswegen, wenig Bürokratie, viel Eigenverantwortung, einem guten Verhältnis zum Management, einer interessanten Unternehmenskultur und einem angenehmen Arbeitsumfeld.

Weil das in den Köpfen der Bewerber noch nicht verankert ist, locken immer mehr dieser Firmen mit Work-Life-Balance in Form von Yogakursen und Massagen am Arbeitsplatz oder etwa Kita-Einrichtungen. Denn die Einstiegsgehälter entsprechen nicht immer den Wunschvorstellungen der Absolventen. Und dass diese Unternehmen häufig in Regionen liegen, die junge Leute wenig anziehend finden, gleichen günstige Mieten und ein attraktives kulturelles Angebot nur bedingt aus.

Aber ist es letztlich das, was zählt? Fakt ist, dass mittelständische Unternehmen auch mit einer geringen Mitarbeiterfluktuation glänzen. Das muss ja einen ausschlaggebenden Grund haben!
Dieser Artikel ist erschienen am 21.06.2013