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Karriere in der Politik

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Laura de la Motte
Der Aufstieg ins politische Machtzentrum geht schneller als in der Wirtschaft. Doch die Stühle sind wackliger, der Erfolg schwerer beeinflussbar und der Job so aufreibend, dass selbst Spitzenpolitiker hinschmeißen.
Politischer Erfolg ist nicht planbarFoto: © Benshot - Fotolia.com
Sie hatten genug von der Politik: Roland Koch und Horst Köhler - der hessische Ministerpräsident und der Bundespräsident haben abgedankt. Koch, weil er immer auf einen Posten in Berlin schielte, aber nicht bekam, und Köhler, weil er sich nach der Kritik an seinen Afghanistan-Äußerungen von der Regierung im Stich gelassen fühlte.Sie haben erlebt, dass politischer Erfolg wenig planbar ist, die Laufbahnen stark von Parteifreunden und -feinden abhängen. In der Politik gelten eben andere Karriere-Gesetze als in der Wirtschaft. Gesetze, die Quereinsteiger wie Köhler manchmal überfordern, die vermeintliche Youngster wie Familienministerin Kristina Schröder (CDU) hingegen verinnerlicht haben.

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Wie sie oder Köhler kann man in der Politik schnell aufsteigen, schneller als in der Wirtschaft. Doch genauso schnell auch wieder abstürzen. Denn die Macht ist wackliger, der Erfolg schwieriger zu beeinflussen und mitunter so aufreibend, dass selbst Spitzenpolitiker wie Koch und Köhler hinschmeißen.Um die politische Karriereleiter hinaufzuklettern ist die berüchtigte Ochsentour - also das Hocharbeiten über Kommunal- und Landesebene - immer noch der gängige Weg. Etwas Sinnvolles kann man dem auch abgewinnen. Hubertus Heil, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, sieht sie als Lehrzeit. Das Aufeinanderfolgen von Ämtern und Funktionen sei Kern der politischen Ausbildung: "In Unternehmen wird man als Einsteiger auch nicht direkt Vorstandsmitglied."CDU, CSU, SPD und FDP haben zusätzlich eigene Parteiakademien (siehe Ende). Denn anders als in der Wirtschaft, wo Fachwissen und Unternehmertum zählen, muss ein Politiker ein Allrounder sein und sich in einem breiten Themenspektrum von Finanzkrise bis Bildungspolitik auskennen.Youngsters mit 20 Jahren ErfahrungDass auch die Ochsentour durch die Parteiebenen nicht mehr Jahrzehnte verschlingen muss, zeigt ein Blick in die Biografien der neuen jungen Politgarde: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist 38, Gesundheitsminister Philipp Rösler nur ein Jahr jünger und Kristina Schröder erst 32. Mit 14 trat sie der Jungen Union bei, war Bezirks- und Kreisvorsitzende in Hessen, bevor sie 2002 im Bundestag Platz nahm. Seit 2009 ist sie Bundesfamilienministerin im Merkel-Kabinett. Sie hat in den 18 Jahren im Politikgeschäft erfahren, dass man Verbündete braucht, gelernt, wie man Kompromisse findet, Kritik aushält, und herausgefunden, wann man besser den Mund hält.Viele ihrer jungen Kollegen nehmen heute aber die Abkürzung ins Machtzentrum. Sie haben nie die Tour durch die Kommunalpolitik gemacht, sondern als Referent eines Abgeordneten angefangen. "Wer dort inhaltlich überzeugt, kann über die kleinen Führungszirkel der Parteien schneller und erfolgreicher sein Ziel erreichen", sagt Michael Hartmann, Elitenforscher von der Technischen Universität Darmstadt. Sebastian Edathy (SPD) hat es so in den Bundestag geschafft. Auf den nötigen Listenplatz lobte ihn MdB Ernst Kastning, in dessen Büro sich Edathy vorher verdingt hatte.

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