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Neuanfang Manager
"Gehe zurück auf Los", heißt es im Spiel Monopoly, manchmal aber auch im echten Leben.Foto: alswart/Fotolia.com
Neustart

Zurück auf Los!

Jutta Hoffritz, zeit.de
Manager müssen damit rechnen: Wer Fehler macht, muss gehen. Wie gelingt das Comeback nach dem Fall?
Wenn Wolfgang Büchele am Münchner Flughafen landet, signalisiert ihm schon die Werbung, dass er angekommen ist. Das Erste, was er im Terminal sieht, ist die Leuchtreklame des Dax-Konzerns Linde, den er seit Mai leitet. Sechs Jahre lang war das anders: Da flog Büchele rastlos durch die Welt, und wenn er in Frankfurt von Bord ging, erinnerten ihn BASF-Banner daran, dass er nicht mehr dazugehörte. Der sittenstrenge Konzern hatte ihn vor sieben Jahren für den Vorstand nominiert – und kurz vor der Berufung wegen einer außerehelichen Affäre mit einer BASF-Mitarbeiterin gefeuert.

Rehabilitation nach Rückschlag

Ähnlich abrupt war der Abschied von Michael Träm als Europa-Chef der Unternehmensberatung A.T. Kearney – nur dass es Zweifel an seinem Doktortitel waren, die ihn vor zehn Jahren den Job kosteten. Den Titel einer Schweizer Universität hätte er nie führen dürfen. Doch längst ist er wieder im Beratungsgeschäft und auch akademisch rehabilitiert: Er nutzte die Zeit nach dem Rausschmiss und schrieb eine komplett neue Dissertation. "Das war ich mir schuldig", sagt er.

Kuno Sommer – Mitglied im Roche-Vorstand, bis 1999 ein von ihm mitorganisiertes Preiskartell aufflog – schaffte nicht nur den Neustart als Manager. Er meint sogar, dass ihn der Karriereknick inklusive Knast zum besseren Menschen gemacht hat. "Früher war ich ein gut verkleideter Streber", sagt er selbstkritisch. Heute habe er mehr Bodenhaftung, er sei "dankbar für die Korrektur".

Comeback nach Absturz

Eine ungewöhnliche Einsicht – und lauter ungewöhnliche Lebensläufe. Zwar hört man häufiger von spektakulären Abstürzen, seit das Bankgeheimnis bröckelt, seit es Plagiatsdokumentationen wie VroniPlag gibt und seit der Flurfunk auf Facebook stattfindet. Für den Wiederaufstieg aber gibt es bisher wenige Vorbilder.

Der Steuersünder Uli Hoeneß scheint ein solches werden zu wollen. Noch bevor er im Juni seine dreieinhalbjährige Haftstrafe antrat, ließ er die Welt wissen: "Das war’s noch nicht." Inzwischen hat man ihm erstmals Ausgang gewährt, und nach Informationen der Boulevardpresse soll er schon bald einer beruflichen Betätigung nachgehen dürfen und dann nur noch die Nächte in der Justizvollzugsanstalt Landsberg verbringen. Man darf gespannt sein, wie der Mann, der neben seinem Amt als Bayern-Manager eine Vielzahl von Pöstchen bekleidete und nebenher noch eine Wurstfabrik betrieb, das Comeback einfädelt. Doch wer hat schon ein Netzwerk wie Uli Hoeneß?

"Stürzen, läutern, wieder aufstehen"

Die wenigsten wohl können und wollen sich nach dem Absturz einfach zurückziehen, wie dies etwa Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel nach seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung tat. Im Zuge des Prozesses gab der Manager nicht nur alle Ämter auf, sondern auch seine Kölner Villa, die nach der Hausdurchsuchung immer wieder in den Fernsehnachrichten zu sehen war. Heute lebt er in London und am Zweitwohnsitz der Familie – in einer Burg über dem Gardasee.

Die Personalberaterin Christine Stimpel hält Rückzug für keine gute Strategie – unabhängig von den finanziellen Verhältnissen. Die meisten Führungskräfte identifizierten sich so sehr mit der Arbeit, dass ihnen mit dem Job mehr verloren gehe als nur das Einkommen, sagt Stimpel, die als Partnerin der internationalen Beratung Heidrick & Struggles in Düsseldorf arbeitet.

Gerade nach einem selbst verschuldeten Abgang sei es wichtig, wieder aktiv zu werden, "schon für die eigene Seele", sagt die Headhunterin. "Das hat auch was mit Resozialisierung zu tun." Motto: "Stürzen, läutern, wieder aufstehen". Weshalb sie dazu rät, Fehler ehrlich einzugestehen – und dann am Comeback zu arbeiten.

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