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Frau springt mit Laptop über Klippe
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Homeoffice

Zum Scheitern verurteilt?

Stefani Hergert, Claudia Obmann
Zurück ins Büro! Mit ihrer "Rückrufaktion" an die Adresse der Heimarbeiter des Unternehmens schreckt Yahoo-Chefin Marissa Mayer die Wirtschaft auf. Die Homeoffice-Debatte ist eröffnet: Passen Erfolg und mobiles Arbeiten nicht zusammen?
Wenn Oliver Schmitt vormittags um elf am Münchener Flughafen in den Flieger steigen muss, ergibt es für den Juristen keinen Sinn, vorher noch ins Büro in der Innenstadt zu fahren. Dann fährt er zu Hause seinen Rechner hoch, loggt sich ins Netzwerk seiner Firma, der Wirtschaftskanzlei Rödl & Partner, ein und öffnet seine auf dem Server gespeicherten Schriftsätze."Es ist nicht immer sinnvoll, in der Kanzlei zu sein, manchmal hat man zu Hause auch einfach mehr Ruhe", sagt der Partner, der das Transaktionsgeschäft leitet.

Mindestens einen halben Tag je Woche ist er im Homeoffice. Kann er sich vorstellen, diese Freiheit wieder aufzugeben? – "Das ist nicht unsere Philosophie."

Dass Schmitt sich diese Frage stellen lassen muss, liegt an Marissa Mayer. Denn die Yahoo-Chefin beordert ihre Heimarbeiter zurück ins Büro und schafft das Homeoffice ab. Mayer hat damit eine Debatte über den Sinn des mobilen Arbeitens ausgelöst. Nicht ganz zu Unrecht. Denn Experten glauben: Unternehmen scheitern, wenn sie in innovativen Bereichen zu stark auf virtuelle Teams setzen. Richtig organisiert aber ist eine intelligente Homeoffice-Regelung ein Wettbewerbsvorteil.

Radikale Warnung

In Deutschland bietet laut Studien nur ein Drittel der Unternehmen das Homeoffice überhaupt an. Und wenn, dann selten so radikal wie bei Yahoo, wo Mitarbeiter teils gar nicht mehr im Büro sein mussten. "Das, was bei Yahoo passiert, ist eine Warnung, dass das Pendel nicht zu weit ausschlagen sollte", sagt Organisationsexperte Christian Scholz von der Uni Saarbrücken.

Yahoo ist in vielerlei Hinsicht ein Sonderfall. Die Firma steckt in der Krise und hat offenbar Probleme bei der Führung ihrer Heimarbeiter. In Blogs berichten Mitarbeiter, dass es Kollegen gibt, von denen keiner weiß, woran sie arbeiten. Dass einige, die nun jeden Tag ins Büro kommen sollen, dann lieber kündigen, scheint die Yahoo-Spitze offenbar nicht zu stören.

Ideen aufkochen

Das mobile Arbeiten kann gerade im Wettstreit um Fachkräfte ein Vorteil sein. "Für die Unternehmen lautet die simple Frage: Wo habe ich Wettbewerbsvorteile", sagt Scholz. "Etwa, weil die Mitarbeiter glücklicher sind und zu Hause konzentrierter arbeiten können." Da ist die Option, ein oder zwei Tage in der Woche das Homeoffice zu nutzen, im Sinne des Geschäfts. Wenn Kreativarbeiter allerdings nie mehr auf ihre Kollegen treffen, wird aus dem Vorteil ein Nachteil. "Es ist schwer vorstellbar, dass jemand komplett zu Hause arbeitet", sagt Rechtsanwalt Schmitt. Ideen entstehen nun einmal oft in der Teeküche oder beim Kaffee.

Wer seinen Mitarbeitern Homeoffice zugestanden hat, kann diese Freiheit in Deutschland nicht ohne weiteres zurücknehmen. Steht es im Arbeitsvertrag, muss der Mitarbeiter zustimmen – oder aber der Chef eine Änderungskündigung aussprechen. Ist es eine nur im Gespräch vereinbarte Praxis, wird es knifflig. Wenn Mitarbeiter davon ausgehen können, dass es als dauerhafte Freiheit gedacht war, haben sie gute Chancen, diese auch zu behalten.

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