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Deutsche bleiben lieber Zuhause.
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Fachkräfte scheuen das Ausland

Zuhause ist es doch am schönsten

wiwo.de
Sie sind jung und gut ausgebildet – aber nicht besonders mobil. Immer mehr Firmen in Deutschland macht die mangelnde Lust des Nachwuchses auf Auslandstätigkeiten zu schaffen. Dabei fehlt es nicht an Reiselust.
Ein interessanter Job im Ausland galt einmal als Auszeichnung und Karrieresprungbrett schlechthin. Doch heute schauen viele junge und hochqualifizierte Fachkräfte viel genauer hin, was ihnen ihr Arbeitgeber zu bieten hat. Eine Führungsposition – ja gerne, aber nur, wenn sie sich mit Familie, Freundeskreis und Hobbys gut verträgt. Das Leben aus gepackten Koffern und mit Jetlag im Hotelzimmer dagegen lockt nur noch Wenige. Manches international tätige Unternehmen stellt die schwindende Mobilität der vielbeschworenen Generation Y inzwischen vor Probleme. Und auch sonst stöhnt so mancher Personaler hinter vorgehaltener Hand über die Anspruchshaltung vieler Nachwuchskräfte.

Job passt sich Leben an

Der Tiefbauspezialist Bauer aus dem oberbayerischen Schrobenhausen beispielsweise braucht regelmäßig gute Leute für Auslandstätigkeiten im Maschinen-Vertrieb oder für Bauprojekte. Meist werde man auch fündig, sagt Personalchef Stefan Reindl. "Allerdings stellen auch wir fest, dass es tendenziell schwieriger wird, Personal zu finden, das dauerhaft bereit ist, weltweit auf Projekten zu arbeiten und sozusagen weltweite Mobilität mitzubringen." Auch blieben Mitarbeiter heute kürzer im Ausland, weil das Familienleben einen höheren Stellenwert habe als noch vor einigen Jahren. Auch zum Autobauer BMW kommen zunehmend Bewerber mit individuellen Vorstellungen: "Für viele sollte sich der Job nach dem Lebensentwurf richten und nicht umgekehrt", sagt ein Unternehmenssprecher.

Der Trend lässt sich auch an regelmäßigen Studierenden- und Mitarbeiter-Befragungen des Autozulieferers Continental ablesen. Im vergangenen Jahr etwa antwortete die Hälfte der befragten jungen Leute auf die Frage, wo sie sich einen Arbeitsplatz suchen wollen: "In der Region, in der ich jetzt lebe." Junge Conti-Mitarbeiter, die bereits über den Tellerrand hinausgeschaut hatten, zeigten sich zwar deutlich offener für einen internationalen Job. Weder Studenten noch Fachkräfte wären aber der Befragung zufolge zu größeren Abstrichen bei Familie und Partnerschaft zugunsten von Beruf und Karriere bereit.

Dabei fehlt es durchaus nicht an der Reiselust, sagt Jutta Boenig, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung. Viele junge Leute seien aber schon vor ihrem Berufsleben weit herumgekommen und deshalb mit Jobs in Übersee nur noch schwer zu locken. Wer als Kleinkind schon von den Eltern gefragt werde, wohin die Urlaubsreise gehen soll, sei halt verwöhnt. Nur ganz am Anfang ihrer Laufbahn nähmen die Hochqualifizierten eine Auslandsstation noch gerne mit – aber dann schon bitteschön in China, und nicht in den USA, wo sie schon ihr Auslandssemester verbracht haben.

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