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Brunel, Teccon, Ferchau

Zeitarbeit: Sprungbrett für die eigene Karriere

Florian Willershausen
Zeitarbeiter haben einen schlechten Ruf. Doch gerade Flugzeug- oder Fahrzeugbauer greifen immer häufiger auf Ingenieure von Dienstleistern zurück. Für Absolventen ein ideales Sprungbrett für die eigene Laufbahn.
Fahrzeugbauer greifen häufig auf Zeitarbeiter zurückFoto: © Michael Klug - Fotolia.com
Wenn Milliardäre sich eine Luxusyacht bauen lassen, spielt Geld keine Rolle. Goldene Armaturen im Bad? Zählen zur Standardausstattung. Bei der Planung geht es eher um andere Fragen. Sollen im Schlafzimmer zwei oder drei 45-Zoll-Fernseher an der Wand hängen? Und die vier Meter breite Eichentür zum Gästezimmer: Soll die als automatische Schwenk- oder als Schiebetür konstruiert werden? Ingenieur Jochen Huth, 33, geht solchen Fragen nach. Er fertigt aus den exklusiven Wünschen wohlhabender Kunden funktionstüchtige Schiffe und verlegt die Leitungen und Rohre für Klo, Klima und Wasser so, dass man Ende nur ahnen kann, wo die Boardtechnik steckt. Ein ziemlicher spannender Job also, sollte man meinen. Huth aber sagt: "Das Produkt ist mir egal." Für ihn liegt der Reiz in der Vielfalt seines Berufs. Plant er heute nämlich eine Yacht, kann es morgen schon ein Auto sein. Und übermorgen etwas ganz anderes.Denn der Diplom-Ingenieur, der in Bremerhaven Fertigungstechnik studiert hat, arbeitet für den Ingenieurdienstleister Teccon. Und der verleiht Spezialisten wie Jochen Huth an Kunden, die sich keine große Belegschaft leisten wollen. Derzeit ist Huth im Auftrag der Bremer Lürssen-Werft unterwegs und entwirft Yachten. Gerade gut ausgelastete Schiffbaufirmen wie Lürssen, aber auch Flugzeug-, Fahrzeug- und Großanlagenbauer, greifen immer häufiger auf externe Dienstleister zurück. Branchenführer

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Ferchau Engineering beispielsweise hat die Zahl seiner Mitarbeiter binnen zehn Jahren fast verdoppelt - auf heute 3600. Wie die anderen großen Ingenieurdienstleister wollen die Gummersbacher im laufenden Jahr mehrere Hundert Absolventen einstellen.
Der Vorteil für die Auftraggeber: Mit Hilfe der Dienstleister lassen sich Ingenieure flexibel auf Projekte setzen. Eigenes Know-how muss ein Unternehmen nicht aufbauen. Läuft ein Projekt aus, gehen die Ingenieure wieder - und zwar ohne Abfindung, oder Streik. Im Grunde ist das klassische Arbeitnehmerüberlassung. So nennt sich offiziell, was quer durch die Branchen als Leiharbeit verpönt ist. Ingenieurdienstleister aber haben regelmäßig Probleme, ihre Referenzen nennen zu können. Denn ihre Auftraggeber scheuen die Öffentlichkeit. Wo Airbus draufsteht, soll auch nur Airbus drin stecken, will der Flugzeugbauer glauben machen. Doch allein Airbus beschäftigt etwa 6000 externe Spezialisten. Offen darüber sprechen will man nicht. Im Gegenteil: Das Unternehmen ist bemüht, nicht in Zusammenhang mit Ingenieurdienstleistern gebracht zu werden.
Kein Karrierekiller: Ingenieurdienstleister bilden ihre Leute ständig weiterNicht zuletzt wegen des schlechten Rufs der Leihbranche legen Dienstleister großen Wert darauf, sich von den übrigen Zeitarbeitsfirmen abzugrenzen: Anders als Konkurrenten bieten sie ihren Angestellten unbefristete Festverträge und tarifliche Bezahlung, und sie bilden ihre Ingenieure aufwändig weiter, damit sie möglichst variabel eingesetzt werden können.
Weil die fachliche Qualifikation der Dienstleister in den technischen Branchen nicht angezweifelt wird, ist der Einstieg bei ihnen kein Karrierekiller, sondern eine ernsthafte Alternative für Uni-Absolventen. Ingenieure von Ferchau, Teccon, Hays oder Brunel kommen viel rum, lernen eine Menge und knüpfen wichtige Kontakte.
"Für viele Absolventen sind Ingenieurdienstleister ein Sprungbrett", sagt Jens Siegloch, Partner bei Kienbaum in Stuttgart und Kenner der Branche. Außerdem schicken die Unternehmen ihre Mitarbeiter zum Schaulaufen zum Kunden - unfreiwillig, versteht sich. "Für Konzerne wie Siemens sind die Dienstleister auch ein riesiger Ressourcenpool", sagt Siegloch. Wenn einer auffällt, bekommt er ein Angebot. Den Rest erledigen dann ein paar Tausend Euro mehr Gehalt.So ungefähr lief das auch bei Stefan Bärow. Der Wirtschaftsingenieur war für Ferchau Engineering auf Projekteinsatz bei Siemens Power Generation. Dort hat er die Qualität von Gasturbinenschaufeln überprüft. Und das offenbar so zuverlässig, dass Siemens den 30-Jährigen einstellen wollte. So wechselte Bärow nach nur sieben Monaten bei Ferchau zur Siemens-Kraftwerkssparte nach Berlin. Dort checkt er nicht mehr nur die Qualität der Turbinenbauteile, sondern kümmert sich mit zwölf Kollegen um die Beschaffung von Gasturbinenschaufeln. Diese stehen am Eingang des Strömungskanals einer Turbine und müssen hohen Belastungen wie Hitze, Kälte oder Druck standhalten. Siemens traut es weltweit nur 20 Lieferanten zu, diese Anforderungen zu erfüllen. Bärow betreut einen englischen Zulieferer. Mit den dortigen Kollegen spricht er die Anforderungen durch, prüft die Lieferqualität und schaut ab und an auch mal im Werk nach dem Rechten."Nach meinem Studium wollte ich eigentlich noch ein bisschen durch die Welt reisen", erzählt Stefan Bärow. Und eben das versprach die Stellenausschreibung des Dienstleisters Ferchau. Also bewarb sich der Fachhochschul-Absolvent bei den Gummersbachern. Mit Erfolg. Schon kurze Zeit später reiste er im Auftrag des Unternehmens zu einer Inspektion in die USA. Auch wenn es letztlich nur sieben Monate waren - auf Ferchau lässt der Wirtschaftsingenieur nichts kommen: "In Sachen Qualifizierung sind die echt Spitze", sagt Bärow, "man lernt beim Dienstleister unheimlich viel." Genau das Richtige für einen wie ihn, der sich nach dem Studium erst einmal am Markt orientieren möchte. Er sagt, mit Blick auf Siemens: "Der Trend geht in vielen Industriebereichen ganz klar hin zur Auslagerung von Projekten an externe Dienstleister."

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