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Interview mit Patrick Broome

Yoga für Ballack & Co

Teil 2

Sind Sie durch Ihr Psychologie-Studium ein besserer Yoga-Lehrer?
Im Yogaunterricht hilft mir mein psychologischer Hintergrund  beim Erkennen der Komplexität des Menschen. Vielleicht hilft mir das, einen auf die individuelle Besonderheiten, Bedürfnisse und Beschränkungen der unterschiedlichsten Menschen zugeschnittenen Yogaunterricht zu  konzipieren. Mir selbst helfen Yoga und Meditation, mich geistig zu sammeln und zu erfrischen, so dass ich die Menschen klarer und mit weniger Vorurteilen wahrnehmen kann. Auch körperliche und seelische Blockaden kann ich sicherlich etwas schneller erkennen.
Es gibt kaum einen Artikel über Sie, in dem nicht erwähnt wird, dass Sie in New York auch Madonna unterrichtet haben. Was ist dran?
Zum „Madonna-Mythos“ möchte ich nur sagen, dass ich sie seit Jahren nicht mehr gesehen oder gesprochen habe. Ich weiß, dass sie fleißig Yoga und auch Pilates übt und ich wünsche ihr alles Gute auf ihrem Weg.
Mit Madonna wurde Yoga in den USA und weltweit auch hip und trendy. Ist Yoga bei Celebrities mehr als eine Mode?

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Ich bin sicher, dass Yoga ein ganz grundlegendes menschliches Bedürfnis nach Geborgenheit, Verbundenheit und Ruhe stillt. Unabhängig von Alter, Status oder welchen Beruf man ausübt. Doch gerade von Menschen die sehr viel in der Öffentlichkeit stehen, erwartet man eine positive Ausstrahlung, ein inneres Leuchten. Yoga kann helfen diese innere Strahlkraft aufrechtzuerhalten. Auch darf man nicht vergessen, dass diese Menschen meist sehr lange, sehr diszipliniert und zielstrebig an ihrem Erfolg gearbeitet haben. Alles grundlegende Voraussetzung um auch im Yoga dauerhaft „Erfolge“ zu erzielen. Und die meisten, die sich über eine gewisse Zeit, beständig mit den körperlichen Aspekten des Yoga auseinandersetzen, finden früher oder später auch Interesse an der Atemarbeit und Meditation. Die Erfahrung der damit verbundenen tiefen Stille und Verbundenheit lässt einen dann nicht mehr so schnell los.Mittlerweile haben Sie selbst eigene Studios in München und Berlin.  Lässt sich mit Yoga wie in den USA gut Geld verdienen?
Das große Geld lässt sich mit Yoga nicht verdienen. In München, wo ich zusammen mit mittlerweile vier Partnern drei Schulen betreibe, verdienen wir grade genug um das wirtschaftliche Fortbestehen dieser Zentren zu sichern. Die Schule in Berlin musste ich Mitte letzen Jahres wegen finanzieller Schwierigkeiten schließen. Wir hatten uns bei der Anmietung des Centers in Berlin schlichtweg übernommen. Vor diesem Hintergrund kam meine Arbeit in den letzten Jahren der, eines Yoga-Unternehmers sehr nah. Vielleicht auch auf Grund der schmerzvollen Erfahrungen mit der Insolvenz in Berlin planen wir jetzt die wirtschaftliche Kontrolle in die Hände eines kompetenten Geschäftsführers zu übergeben. Dieser wird uns hoffentlich organisatorisch den Rücken freihalten, so dass wir uns wieder auf das konzentrieren können, was wir alle am Besten können: Yoga unterrichten.
Es ist Ihnen ja gelungen, in Deutschland relativ schnell bekannt zu werden und in den einschlägigen Lifestyle-Magazinen aufzutauchen. Dabei hat es Ihnen sicherlich geholfen, dass eine ganze Reihe Redakteurinnen Münchener Mode- und Lifestyle-Magazine Ihre Schülerinnen sind. War das eine clevere PR-Strategie?
Es war ja nicht so, dass wir gezielt Redakteurinnen angesprochen und zu uns eingeladen haben. Vielmehr scheint es uns gelungen zu sein, eine Atmosphäre in unserem Center zu schaffen, dass verstärkt eine solche Klientel angezogen hat. Gerade für Menschen, die sich vielleicht vorher in anderen Yogazentren oder Fitness-Studios nicht so heimisch gefühlt haben, konnten wir die Hemmschwelle eine Yogaschule zu betreten deutlich herunter setzen. Sobald sie dann die ersten positiven Erfahrungen mit Yoga erlebt hatten, wollten sie wohl einfach mehr davon. Und wie wir alle wissen berichten und schreiben Menschen sehr gerne über etwas, das ihnen gut tut.
Was machen Sie mit dem Spiritueller Supermarkt-Vorwurf, also dass sich hier zwei geschäftstüchtige Westler bei verschiedenen Yoga-Stilen bedient haben, und dann einigen trendy people in New York ein markttaugliches „Produkt“ präsentiert haben: Die klassischen Yoga-Stellung in fließender Abfolge, damit das Ganze für Westler genug Dynamik hat, und am Ende ein bisschen Om-Singen als spirituelle Sauce etc.Die Mehrzahl, der derzeit im Westen praktizierten Yogastile haben ihren Ursprung in diesem Jahrhundert und lassen sich auf das Wirken eines großen Yogi namens Krishnamacharya zurückführen. Auch meine Lehrer haben sehr lange von einem seiner Schüler, Sri K. Pattabhi Jois, gelernt. Auf Grundlage ihrer eigenen Erfahrungen haben sie dann mit seinem Einverständnis eine Methode begründet, die ihrer Meinung nach dem westlichen Bedürfnis nach spiritueller Sinnsuche und körperlicher Betätigung am besten entspricht. Dass sie dafür einen integralen Weg gewählt haben, der neben dynamischen Körperhaltungen auch das Selbst- und Schriftenstudium, das Rezitieren von Mantren, die Meditation und einen gewaltfreien Lebensstil beinhaltet, finde ich großartig. Dieses System hat mich persönlich überzeugt und ich sehe tagtäglich, wie es das Leben unserer Schüler positiv transformiert.Glauben wir einmal, dass Jivamukti Yoga mehr ist als ein Label, damit das Ganze schön indisch klingt. Jivamukti bedeutet ja auf Sanskrit „Befreiung der Seele“, man könnte es also auch als Leistungsversprechen betrachten. Führt Ihr Yoga tatsächlich zu einem solchen Zustand?
Yoga bedeutet Freiheit und zwar Freiheit von mentalen Bedrängnissen. Jeder hat doch gelegentlich die Sehnsucht, sich aus der Gefangenschaft des eigenen mentalen Karussells zu befreien. Der Yogapfad will menschliches Wachstum fördern und helfen das tägliche Leiden zu mindern. Und hierfür bietet jede Form der Yogapraxis wundervolle Instrumente.
Könnten Sie Beispiele geben für Menschen, die diesen Zustand erreicht haben?
Es ist schwer die wahre Größe eines verwirklichten Yogi zu beschrieben. In den indischen Schriften steht, dass ein Jivanmukta, ein befreiter Mensch ist, der bereits zu Lebzeiten volle Verwirklichung erreicht hat. Ein Mensch frei von selbstsüchtigen Interessen, Sorgen, Schwierigkeiten, Problemen, Leiden, Kummer und Ängsten. Er ist kein Sklave seiner Launen; er ist heiter und friedvoll. Seine Augen sind heiter und fest, seine Sprache ist eindeutig, inspirierend und beeindruckend.. Man erfährt in seiner Gegenwart ein tiefes Gefühl von Frieden, Harmonie und Inspiration. Der Jivanmukta kümmert sich nicht um öffentliche Kritik. Er bewahrt einen kühlen Geist, auch wenn er angegriffen wird. In der Geschichte gibt es einige solcher großartiger Menschen, die uns verdeutlichen welch immenses menschliches Potential in Jedem von uns schlummert. Menschen wie Jesus, Martin Luther King, Gandhi oder Mutter Theresa sind Beispiele dafür, wie man über seine eigene Bequemlichkeit hinausgehen kann und sein Leben komplett dem Dienste am Mitmenschen widmet.
Und wie weit sind Sie auf diesem Weg?
Die Praktiken des Yoga eröffnen mir immer häufiger tiefe Erfahrungen von Verbundenheit und Stille. Und die Menschen, die eng mit mir zusammenleben, sagen, dass man jetzt endlich nach über zehn Jahren Praxis anfängt etwas davon zu merken … es gibt also noch Hoffnung, selbst für mich.
Patrick Broome über seinen WerdegangGeboren bin ich 1968 in Kulmbach und aufgewachsen in Kalifornien und später Nürnberg. Fürs Studium verschlug es mich nach Frankfurt und später an die RWTH Aachen, wo ich ein Diplom in Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie erwarb. Zur Promotion ging es zur LMU nach München. Zu dieser Zeit vertiefte ich meine Yogakenntnisse im Sivananda Yogazentrum in der Steinheilstrasse. Es folgte eine dreijährige Ausbildung zum ärztlich geprüften Yoga nach den nach den Kriterien der Europäischen Yoga Union (EYU). Auf einer Reise nach New York im Jahr 1996 traf ich meine wichtigsten Lehrer Sharon Gannon und David Life. Nach einem Jahr als Lehrstuhlassistent an der TU München zog ich 1999 für ein Jahr nach New York, wo ich mich zum Jivamukti Yogalehrer ausbilden ließ. Es folgten zwei weitere Jahr als Lehrstuhlassistent diesmal an der LMU München und nach einem kurzen Ausflug in die freie Marktwirtschaft die selbstständige Existenzgründung durch die Eröffnung der ersten Yogaschule in München zusammen mit meiner Lebensgefährtin Gabriela Bozic.
Dieser Artikel ist erschienen am 19.06.2008

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