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Persönlichkeit

Woran man Talent erkennt

Daniel Rettig, wiwo.de
Wir schätzen angeborenes Talent mehr als hart erarbeiteten Erfolg. Und häufig zeigt sich bereits in früher Kindheit, wer im Leben Erfolg haben wird. Was Psychologen über die Überflieger herausgefunden haben.
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Angeborenes Talent gilt als hohes Gut. Foto: Lisa Schwarz/Pixelio

In der Gesellschaft hoch anerkannt

Schon in der Schule haben es Streber nicht leicht. Wer faul ist, oder zumindest so tut, und trotzdem gute Noten schreibt, hat das bessere Image. Aber warum? Die simple Antwort: Wir schätzen angeborenes Talent mehr als hart erarbeiteten Erfolg.

Ursprünglich stammt der Begriff "Talent" vom griechischen "talanton" ab, was so viel heißt wie "Waage" oder "Gewicht". Im Neuen Testament ist die Rede von einem "anvertrauten Gut", woraus sich das heutige Verständnis ableitet: Talent ist eine Gabe, die man entweder hat oder nicht.

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Aber wie reagieren wir auf offenkundig talentierte Personen? Dieser Frage widmeten sich vor wenigen Monaten die Harvard-Doktorandin Chia-Jung Tsay und der Psychologieprofessor Mahzarin Banaji in einer Studie (.pdf). In drei Experimenten wollten sie herausfinden, wie Begabte von anderen bewertet werden.

Im ersten Versuch wurden 103 ausgebildete Musiker im Alter von 18 bis 65 mit zwei unterschiedlichen Pianisten konfrontiert. Zunächst lasen sie deren Kurzporträts, danach hörten sie die beiden 20 Sekunden lang in Aktion. Was die Teilnehmer allerdings nicht wussten: Beide Stücke wurden vom selben Interpreten gespielt – bloß hatten die Wissenschaftler vorher die Lebensläufe der Pianisten verändert.

Einstellungskriterium: Talent kommt vor Fleiß 

Aus dem einen ging klar hervor, dass der Klavierspieler eher zur Gruppe der fleißigen und ehrgeizigen Künstler gehörte, während beim anderen Talent die entscheidende Rolle für sein Können spielte – und dieser kleine, aber feine Unterschied wirkte sich erheblich auf die Bewertungen aus.

Zwar gaben die Probanden an, dass für sie regelmäßiges Üben und knallhartes Training die entscheidenden Kriterien seien. Doch als sie die beiden Pianisten benoten sollten, verhielten sie sich völlig anders. Dem Naturtalent gaben sie nicht nur bessere Bewertungen und sagten ihm höhere Erfolgschancen voraus. Sie waren auch wesentlich eher dazu bereit, ihn einzustellen.


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