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Deutschland vergrault ausländische Fachkräfte
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Expats in Deutschland

Wohlfühlfaktor mangelhaft

Teil 2: Willkommenskultur? Fehlanzeige.

68 Prozent der Expats beschreiben die Deutschen als reserviert, 58 Prozent fällt es schwer, deutsche Freunde zu finden: Letzteres zählt vermutlich zu den Gründen, warum Expats in Deutschland nicht wirklich heimisch werden – zirka einer von dreien fühlt sich überhaupt nicht zu Hause.

"Deutsche können oft unhöflich und unangenehm wirken," fasst ein britischer Teilnehmer seine Eindrücke zusammen. Wie die Länderauswertung für Deutschland zeigt, hapert es hier gleich an mehreren Ecken:

1. Beim Wohlfühlfaktor reicht es für Platz 23 von 65.

2. Beim Zugang zur lokalen Kultur belegt Deutschland im internationalen Vergleich Platz 48 - von 65.

3. Bei der Frage, wie schnell Fremde sich in ihrer neuen Wahlheimat zu Hause fühlen, reicht es für Platz 49 von 65.

4. In Bezug auf die Eingewöhnung im Gastland liegt Deutschland auf Platz 56.

Zum Vergleich: Was die Attraktivität als Arbeitsort angeht, belegt Deutschland Platz sieben von 65.

Reservierte Zurückhaltung im Norden

"Das Problem gibt es aber auch in Österreich, der Schweiz und in Skandinavien. Der Norden ist Fremden gegenüber allgemein eher zurückhaltend", sagt Malte Zeeck, Gründer und Co-CEO des Netzwerks InterNations. "Im Süden, in Südeuropa, aber auch in Lateinamerika, sind die Menschen sehr viel offener, gehen eher auf Fremde zu, sind zu Fremden freundlich und laden den neuen Kollegen vielleicht auch mal zum Abendessen ein", so seine Erfahrung.

Ein weiterer Grund, warum sich so viele hier fremd fühlen, sei die Sprache, die von 69 Prozent der Befragten als sehr schwer zu lernen beschrieben wird. "In anderen Ländern kommt man vielleicht noch mit Englisch weiter. Hier nicht." Dieses Problem wird auch in der Fachkräftedebatte immer wieder angesprochen: Grundkenntnisse der Sprache reichen in Deutschland nicht aus.

Wenig Toleranz für mangelnde Sprachkenntnisse

"Das betrifft zum Beispiel Arbeiten, die eng mit technischen Anlagen verknüpft sind, oder Jobs, in denen Menschen häufig Kundenkontakt haben", sagt der Sprecher der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover, Stefan Noort. Das erschwere auch die Integration von Flüchtlingen in den hiesigen Arbeitsmarkt. Gut ist in Deutschland den meisten eben nicht gut genug.

Da spielt es für die Einheimischen auch keine Rolle, ob ein Migrant im Supermarkt Regale einräumt oder als Chirurg im Uniklinikum arbeitet: Er soll gefälligst perfekt Deutsch sprechen.

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