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IT-Sicherheit

Wo Hacker ihr unheimliches Handwerk lernen

Kristin Schmid / wiwo.de
Sie gelten als öffentlichkeitsscheu, verschwiegen und kriminell: IT-Spezialisten, die jeden Code entschlüsseln und in jeden Computer eindringen können. Doch wer bildet sie aus? Eine Reise an deutsche Hacker-Hochschulen.
Foto: tommyS/Pixelio
Es dauert nur wenige Minuten. Dann wechseln 182.000 Euro ihren Besitzer. Ein Computerwurm hat sich im System der Bank eingenistet, nimmt das Geld vom Konto des ahnungslosen Kunden und überweist es auf die Konten zweier Hacker. Die erhalten aber keine Strafe, sondern Applaus und eine Urkunde.

Verkehrte Welt? Keineswegs. Die Wurm-Attacke auf das fiktive Geldinstitut ist Teil eines Kurses an der Ruhr-Universität Bochum. Ein Semester lang lernen 20 angehende IT-Spezialisten, wie sie Passwörter knacken, Sicherheitslücken ausnutzen und fremde Konten kapern. Ein Rollentausch vom Studenten zum Computerknacker.
 
Das Hacker-Praktikum gehört zum Studiengang IT-Sicherheit, für den in Bochum derzeit 500 Studierende eingeschrieben sind. Die Stadt im Ruhrgebiet hat sich in den vergangenen Jahren zum Sammelbecken für eine technikbegeisterte Subkultur entwickelt, kurz: für Hacker. Und die Szene wächst – auch in Deutschland.


Die besten Jobs von allen

Vor allem kriminelle Hacker sorgen für Schlagzeilen. Das deutsche Regierungsnetz wird nach Angaben des ehemaligen Bundesinnenminister Thomas de Maizière bis zu fünfmal pro Tag attackiert. 75 000 Fälle von Computerkriminalität gab es laut Bundeskriminalamt im Jahr 2009, so viele wie nie zuvor. Auch aus diesem Grund ging vorvergangene Woche das „Nationale Cyber-Abwehrzentrum“ in Bonn online. Die neue Behörde, die beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik angesiedelt ist, soll Informationen über Cyber-Angriffe sammeln und das Sicherheitswissen anderen Behörden sowie der Wirtschaft weitergeben. Bisher arbeiten dort aber gerade einmal zehn Spezialisten.

Reise zu deutschen Hacker-Hochburgen

Deutlich mehr Hacker haben sich im Chaos Computer Club (CCC) organisiert. Der größte und bekannteste deutsche Hackerverein beschäftigt sich schon lange mit IT-Sicherheit und hat aktuell rund 3.200 Mitglieder – vor zehn Jahren waren es noch halb so viele. Besonders aktiv ist der CCC in Darmstadt, Berlin und München. Kein Wunder: Die renommierten Informatikstudiengänge locken regelmäßig computerbegeisterte Abiturienten an. Doch zu diesen klassischen Hacker-Hotspots gesellt sich längst auch die Uni Bochum. Nur: Warum lehren staatliche Universitäten, wie man fremde Rechner angreift? Und wie verhindern sie, dass die Studenten ihr Wissen später für illegale Zwecke einsetzen?

Antworten darauf gibt eine Reise zu den deutschen Hacker-Hochburgen: Darmstadt und Bochum. Das Bochumer Praktikum ist bei den Studenten äußerst begehrt. Allein auf die aktuell nur 20 Plätze haben sich 50 Studenten beworben, erzählt Professor Jörg Schwenk vom Lehrstuhl für Netz- und Datensicherheit. Genommen werden nur die besten. Die büffeln zunächst Theorie: Welche Möglichkeiten gibt es, den Administrator-Zugang einer Web-Site zu übernehmen? Wie untersuche ich den sogenannten Quellcode, also die Programmierung einer Seite, auf Sicherheitslücken? Wie sind Computerviren aufgebaut? Danach erhalten die angehenden IT-Spezialisten einen praktischen Auftrag – wobei die Übungen von Woche zu Woche anspruchsvoller werden. Zu Beginn müssen die Hacker in spe meist nur eine verseuchte E-Mail an einen fiktiven Bankmitarbeiter schicken. Am Ende rauben sie mit ihren Würmern die gesamte Bank aus.

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