Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Frauen-Karriere-Index
Foto: iofoto / fotolia.com
Frauen-Karriere-Index

Wo die Aufstiegschancen am besten sind

Teil 2: Wie können Unternehmen besser fördern

Wichtigste Analyse: Wo kommen Unternehmen Frauen abhanden? Wie mühsam die Geschlechtergleichstellung ist, zeigt diese Erkenntnis: Selbst engagierte Unternehmen schaffen nur ein Wachstum bei den Frauen in Führungspositionen von einem Prozent im Jahr, bilanziert Barbara Lutz. Denn die beeinflussenden Faktoren sind die jeweilige Unternehmensentwicklung, Firmenübernahmen, Personalabbau und Fluktuationsraten. Das A und O sind klare Messinstrumente, Maßnahmen und Ziele. Je realistischer die Ist-Analyse der Unternehmen bei der Bestandsaufnahme ihre Geschlechtergleichstellungs-Maßnahmen sind, umso eher können sie herausfinden, wo ihnen Frauen auf dem Karriereweg verloren gehen – und gezielt gegensteuern.

Karriereweg ist kein Sprint

Unternehmen brauchen bei der Frauen-Karriereförderung Kontinuität und Durchhaltevermögen, da sie "kein Sprint, sondern ein Marathon sind", so Lutz. Kurzfristige Verlautbarungen der Unternehmensspitze, einige wenige Neubesetzungen mit Frauen oder kurzfristiger Aktionismus hilft nicht weiter.

Vor allem: Die ausgeglichene Besetzung der verschiedenen Führungseben gelingt nur dann, so Lutz, wenn weibliche wie männliche Talente früh gefördert werden, damit der Aufstieg auf der Karriereleiter geschlechtsneutral möglich wird.

46 verschiedene Förderungsmaßnahmen

Insgesamt wurden 46 Einzel-Maßnahmen identifiziert wie Gender-Führungskräfte-Trainings für Männer, Mitarbeitergespräche, Veröffentlichungen von Frauenquoten für Führungskräfte, Elternzeitförderung oder Anrechnung von Teilzeittätigkeiten als volle Berufserfahrungsjahre.

Als Maßnahmen der Zukunft listet die Studie praktische Hilfen wie Wäsche-, Bügel-, Reinigungsservice – die auch für kinderlose Frauen durchaus wertvoll sind – , Frauenbeiräte, weibliche Talentpools oder Wahlarbeitszeiten für bestimmte Zeitperioden. Nicht bewährt haben sich bei der Geschlechtergleichstellung jedenfalls längere Auszeiten wie Sabbaticals, so die Studie.

Auch Frauen haben Vorurteile gegenüber Frauen

Viele der teilnehmenden Unternehmen veranstalten Trainings, um die unbewussten Vorurteile und Benachteiligungen bewusst zu machen und zu vermeiden.

Besonders interessant ist hierbei, dass Frauen wie Männer diese Trainings nachfragen. "Vorurteile sind nicht geschlechtsspezifisch", so das Resümee der Studienverantwortlichen und Gründerin des Frauen-Karriere-Index Lutz. "Nur die konkreten Ansprache und Adressierung dieser alltäglichen Schere im Kopf kann die unbewussten Verhaltensweisen überwinden."

Nach wie vor ist "der Aufstieg in den Vorstand für Frauen ungleich schwerer als für Männer", urteilt Barbara Lutz. Allen Unkenrufen der Unternehmen zum Trotz, die seit über vier Jahren aus Angst vor einer Frauenquote und Heerscharen zurückgesetzter, übergangener, hochtalentierter Männer befürchten.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 07.02.2016

Themen im Überblick

Fair Company | Initiative