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Wo bleibt der Gründergeist?
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Furcht vorm Scheitern

Wo bleibt der Gründergeist?

Teil 2: Angst vor der Pleite

Die Gründe für die schlechte Gründerstimmung sind vielfältig: Zum einen bemängeln die rund 2.000 befragten Deutschen die mangelnde Offenheit Deutschlands gegenüber Neuunternehmern. Während im vergangenen Jahr noch 50 Prozent der Meinung waren, dass Deutschland generell ein gründerfreundliches Land sei, bewerten 2015 nur noch 44 Prozent der Befragten Deutschland als gründerfreundlich. Außerdem machen sich die Deutschen Sorgen um die finanzielle Sicherheit: Knapp zwei Drittel der Befragten sagten, dass sie sich nicht selbstständig machen würden, weil sie finanzielle Belastungen bis hin zur Insolvenz fürchten.

Ein Viertel der Deutschen verunsichert außerdem die Gefahr einer Wirtschaftskrise. "In Deutschland müssen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mehr gemeinsame Maßnahmen entwickeln, um potenzielle Gründer zu fördern", fordert deshalb Julia Lutter-Müller, Leiterin der Studie bei Amway.

Tief verwurzelte Furcht vorm Scheitern

Doch es liegt nicht nur an den externen Faktoren: So gaben nämlich 78 Prozent der Befragten an, dass die Angst vor dem Scheitern ein Hindernis auf dem Weg zu einem eigenen Unternehmen sei. Diese Furcht ist in Deutschland ausgeprägter als im weltweiten (70 Prozent) und im EU-Durchschnitt (69 Prozent). Bei den 14- bis 34-Jährigen ist dies sogar noch tiefer verwurzelt. Hier sehen 84 Prozent die Angst vor dem Scheitern als ein Hindernis für eine Unternehmensgründung an.

Und auch am Selbstvertrauen mangelt es den Deutschen: Nur 29 Prozent glauben, dass sie überhaupt fähig sind, ein Unternehmen zu gründen und zu führen. Auch die Generation Y in Deutschland steht kaum besser da. Zwar halten 37 Prozent der 14- bis 34-Jährigen eine Gründung für erstrebenswert, allerdings vertraut nur ein Viertel auf seine eigenen Fähigkeiten.

Nur wenige würden ihre Unternehmensidee durchsetzen

Immerhin sagen 38 Prozent, dass sie sich auch von skeptischen Kollegen und Freunden nicht von ihrer Unternehmensidee abbringen lassen würden, so sie denn eine hätten und die eigenen Ängste überwinden könnten. Tatsächlich glauben aber nur 26 Prozent der Deutschen, dass eine Unternehmensgründung für sie zumindest theoretisch in Frage kommt. Kommen dann noch Anlaufschwierigkeiten hinzu, bleiben von diesen 26 Prozent kaum noch welche übrig, die den Schritt in die Selbstständigkeit auch durchziehen.

Von denen wagt sich dann ein winzig kleiner Teil ins Fernsehen, um sich dort Anschubfinanzierungen oder Mentoren-Programme zu erkämpfen. Wenn daraus nichts wird, helfen vielleicht die fünf Minuten Fernseh-Ruhm zum erhofften Durchbruch.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 02.12.2015

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