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WM-Jubel während der Arbeitszeit – nur in Absprache mit dem Chef!
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Fußball-Weltmeisterschaft

WM-frei gibt es nicht

Tina Groll, zeit.de
Alle vier Jahre wieder: Deutschland startet in die Fußball-WM. Was bedeutet das für die Arbeit: Dürfen Fans die Partien schauen? Oder gar wegen eines Spiels später zu Arbeit gehen? Antworten auf die wichtigsten Fragen für arbeitende Fußballfans gibt es hier.
Muss der Arbeitgeber sein Okay fürs Fußballschauen geben?

Viele Fußballfans möchten keines der Spiele verpassen. Die Gruppenspiele der deutschen Mannschaft finden zum Glück am Wochenende, eines aber auch in der Woche um 16 Uhr statt. Sollte es ins Achtel- und Viertelfinale weitergehen, ist mit weiteren Spielen um 16 Uhr zu rechnen.

Bei Spielen anderer Mannschaften ist der Beginn teils um 17 Uhr oder um 20 Uhr. Fußball-WM zu gucken gilt allerdings seit einem Urteil des Arbeitsgerichts Frankfurts aus dem Jahr 2011 als "sozialadäquates Verhalten", weil Fußball während einer Europa- oder Weltmeisterschaft einen großen Stellenwert in der Gesellschaft habe.

Das ist aber kein Freifahrtschein für Mitarbeiter.
Wer ohne Einverständnis und Kenntnis des Chefs die Arbeit liegen lässt, riskiert eine Abmahnung. Denn Arbeitnehmer müssen alles unterlassen, was ihre Arbeitsleistung beeinträchtigt. Das gilt in der Regel auch, wenn man die Spiele per Live-Stream am Firmenrechner oder auf dem Smartphone verfolgt. Denn auch dadurch können arbeitsvertragliche Pflichten verletzt werden.

Radiohören ist laut einem Bundesarbeitsgerichtsbeschluss (1 ABR 75/83 vom 14.01.1986) erlaubt, da dadurch nach Ansicht des Gerichts das Arbeitsverhalten in der Regel nicht beeinflusst wird und somit das Direktionsrecht des Arbeitgebers nicht greift. Konzentriertes Arbeiten der Mitarbeiter muss aber gewährleistet sein. In WM-Zeiten können daher Verbote ausgesprochen werden, bei Vorhandensein eines Betriebsrates muss der Arbeitgeber aber dessen Zustimmung einholen.

Wie streng ein Arbeitgeber ist, hängt auch davon ab, ob es im Betrieb eine Arbeitszeiterfassung oder Vertrauensarbeitszeit gibt. Wer bei der Arbeitszeiterfassung seine Zeit mit der WM verplempert und die Minusstunden nicht nacharbeitet, riskiert auf jeden Fall Ärger. Wer bei der Vertrauensarbeitszeit und ohnehin schon angehäuften Überstunden in Absprache mit seinem Vorgesetzten früher zum Public Viewing geht, macht alles richtig.

Können Arbeitnehmer für die WM kurzfristig Urlaub nehmen?

In Absprache mit dem Arbeitgeber ist das möglich. Allerdings muss man damit rechnen, dass andere Kollegen die gleiche Idee haben und es Ärger geben kann. Generell können Mitarbeiter den Zeitpunkt ihres Urlaubs frei wählen. Ausnahme ist nur, wenn zwingende betriebliche Gründe dagegen sprechen. Solche Gründe können sein: die Notwendigkeit, einen Auftrag fristgerecht zu erfüllen, personelle Engpässe in Saison- oder Kampagnenbetrieben, plötzlich auftretende Produktionsnachfragen oder krankheitsbedingte personelle Ausfälle.

Streiten sich mehrere Mitarbeiter um den Urlaub, werden soziale und betriebliche Belange gegeneinander abgewogen. Vorrang etwa hat, für den es der erste Urlaub in diesem Jahr ist. Außerdem werden Alter und ein eventuell damit verbundenes Erholungsbedürfnis oder der Familienstand miteinbezogen. Das bedeutet aber nicht, dass jüngere, kinderlose Mitarbeiter auf jeden Fall leer ausgehen. Hatten die Väter und Mütter im Betrieb etwa schon jede Menge Urlaub, werden sie arbeiten müssen und die Singles bekommen frei. Im Ernstfall kann der Betriebsrat schlichten.

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