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Wissen richtig managen

Kirstin von Elm
Informationen sammeln, bündeln und technisch aufbereiten: Wissensmanager sorgen in Unternehmen dafür, dass jeder weiß, was er wissen muss. Aber das Anforderungsprofil ist vielseitig und die Ausbildungsmöglichkeiten noch stark begrenzt.
Julia Lorey arbeitet für BoozFoto: © Emanuel Bloedt
Vier Millionen Bücher, 27000 Fachzeitschriften, 75 Kilometer Regale. Die Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW) in Hamburg und Kiel ist derzeit die bestbestückte Wirtschaftsbibliothek der Welt. Sind staatliche Konjunkturpakete sinnvoll? Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat das Glühbirnenverbot? Auf fast jede ökonomische Frage gibt es hier passende Antworten. Vorausgesetzt, man findet das relevante Wissen.Jan Lüth hilft dabei. Er ist Wissensmanager und schlägt Schneisen in den Literaturdschungel. Seine Aufgabe ist es, den Zugang zu den Informationen für Studenten, Wissenschaftler und Firmen schneller, flexibler und treffgenauer zu gestalten. Der 37-jährige Medieninformatiker arbeitet zusammen mit sechs Kollegen in der Innovationsabteilung der Bibliothek an der Weiterentwicklung von Suchtechnologien und neuen Präsentationsformen von Wissen.

Die besten Jobs von allen

Das wird immer wichtiger. Die Menge an Information wächst überproportional und mit ihr der Bedarf, diese zu filtern und zu sortieren. Nicht nur Bibliotheken stehen vor dieser Herausforderung. Auch Unternehmen erkennen die ökonomische Bedeutung eines effizienten Wissensmanagements, weil in der Dienstleistungsgesellschaft das Wissen der Mitarbeiter das wichtigste Kapital der Firmen ist. Gefragt sind daher Profis im Wissensmanagement, die dafür sorgen, dass jeder Mitarbeiter genau das weiß, was er für seine Aufgabe wissen muss.Nicht alle Betriebe haben eine eigene Wissensmanagement-AbteilungSiemens zum Beispiel beschäftigt in Princeton, Peking und München 34 Mitarbeiter, die das Konzern-Know-how vernetzen, strukturieren und den Nutzern in bedarfsgerechten Häppchen zur Verfügung stellen. Auch EnBW, Airbus, Thyssen-Krupp, der Otto-Konzern sowie große Beratungen und Wirtschaftskanzleien beschäftigen inzwischen Vollzeit-Wissensmanager. Das Bundeswirtschaftsministerium treibt das Thema mit der Initiative "Fit für den Wissenswettbewerb" voran, bei der jährlich kleine und mittlere Unternehmen für gelungene Wissensmanagement-Lösungen ausgezeichnet werden.Je nach Branche und Unternehmensgröße sind die Aufgaben eines Wissensmanagers in der Praxis breit gefächert. Sie reichen auf der einen Seite von operativen Tätigkeiten, wie der technischen Vernetzung von Daten und Dokumenten, dem Einstellen von Informationen ins Intranet bis hin zur abschließenden Dokumentation von Projekten oder der Pflege des Archivs. Zum anderen zählen dazu aber auch komplexe Managementprojekte, wie eine umfassende Reorganisation, das systematische Erfassen von Wissen in einer Wissensbilanz oder das Einführen neuer Kommunikations- und Informationssysteme.Wissensmanager müssen vielfältig begabt seinDie Bandbreite der Arbeit zeigt sich bei Jan Lüth. Mit klassischer Bibliothekarstätigkeit hat sein Job an der ZBW nur noch wenig zu tun. Der Technische Projektleiter will bis Mitte 2010 den technologischen Um- und Ausbau der virtuellen Fachbibliothek Econ-Biz stemmen. "Die Bibliotheksszene ist mitten im Umbruch, das macht meinen Job hier so spannend", sagt Lüth. Ähnlich wie im Internet sollen bei Econ-Biz intelligente Suchmaschinen anhand weniger Kriterien erkennen, welche Informationen ein Nutzer benötigt und daraufhin nach Relevanz sortierte, um eigene Vorschläge ergänzte, möglichst vollständige Ergebnisse ausspucken - und zwar rund um die Uhr am eigenen Arbeitsplatz des Nutzers.Über Econ-Biz sind schon jetzt Aufsätze und Arbeitspapiere aus den Datenbanken verschiedener Wissenschaftsverlage und Universitäten abrufbar. Diese folgen aber alle unterschiedlichen Regeln bei der Erfassung und Vernetzung. Lüth und seine Kollegen sorgen für einheitliche Formate, Schlagworte und die Darstellung von Treffern. Das klingt banal, ist aber in der täglichen Praxis eine detailreiche Mammutaufgagabe.

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