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Ingenieurswesen

Wirtschaftsingenieure sind die neuen Job-Allrounder

Kirstin von Elm
Wirtschaftsingenieure sind doppelt begabt: Sie verstehen die Technik und die Zahlen, entwickeln Innovationen und steuern den Einkauf. Nach dem Studium steht ihnen fast jede Branche offen.
Wirtschaftsingenieur Stefan Stark kauft für Automobilbauer BMW Steuerelemente und Kabelbäume einFoto: © Quirin Leppert
Im Einkauf liegt der Gewinn - das weiß nicht nur der gute Kaufmann, sondern auch so mancher Ingenieur. Zum Beispiel BMW-Chef Norbert Reithofer: Insgesamt vier Milliarden Euro Material- und Beschaffungskosten will Reithofer, der an der TU München Fertigungstechnik und Betriebswissenschaft studiert hat, bis 2012 einsparen. Der Einkauf - andernorts oft noch als öde Bestellabwicklung verschrien - ist bei BMW Chefsache: Jüngst schuf Reithofer dafür sogar ein eigenes Vorstandsressort. Der neue Chef-Einkäufer Herbert Diess leitete zuvor die Motorradsparte des bayerischen Fahrzeugherstellers, die er auf Effizienz trimmte.Mit dem neuen BMW-Einkaufsvorstand hat Diplom-Wirtschaftsingenieur Stefan Stark zwar noch nicht persönlich zu tun gehabt. Dass der 28-jährige Facheinkäufer seine Lieferantenauswahl jedoch ranghohen Managern, zum Beispiel den jeweiligen Baureihenleitern vorstellt, ist üblich. "Ich war überrascht, wie schnell ich hier als Berufseinsteiger Verantwortung übernehmen durfte", sagt Stark. Seit November 2007 arbeitet er bei BMW in München.

Die besten Jobs von allen

Schon wenige Monate nach seinem Jobstart ging er das erste Mal auf Shoppingtour - quer durch Osteuropa und nur noch begleitet von einem Frischling aus der Entwicklungsabteilung. Zusammen klapperten die beiden Nachwuchskräfte eine Woche lang potenzielle Lieferanten für elektronische Bordnetzkomponenten wie Stromverteiler, Kondensatoren und Sicherungen ab. "Ich vergleiche nicht nur die Preise und schreibe Bestellungen, sondern ich muss auch die reibungslose Versorgung unserer Werke sicherstellen", erklärt Stefan Stark.Wirtschaftsingenieure haben weit gefächerte KenntnisseReichlich viel verlangt von solchen Frischlingen? Ein reiner Diplom-Kaufmann wäre vermutlich überfordert - der junge Wirtschaftsingenieur Stark kann dagegen auf sein Doppelstudium mit Schwerpunkt Maschinenbau an der FH Ingolstadt zählen. Außerdem hat er zuvor bereits eine Ausbildung zum Elektroniker bei Audi in Ingolstadt absolviert und sich danach zwei Jahre lang berufsbegleitend zum Elektrotechniker weitergebildet. Als Student verhalf ihm 2006 ein Praktikum bei BMW zur Aufnahme in das Förderprogramm "Fastlane". Aus diesem Talent-Pool herausragender Praktikanten und Werkstudenten rekrutiert BMW viele seiner Fach- und Führungskräfte.Wie eine Autofabrik tickt und eine Kalkulation erstellt wird, weiß Stefan Stark also ganz genau. Darüber hinaus hat er aber auch das technische Rüstzeug, um unterschiedliche Fragen zu klären: Kann der Zulieferer pünktlich in der geforderten Menge und Qualität liefern? Wie flexibel kann der Produzent auf Extrawünsche reagieren? Wie tragfähig ist der Plan B, falls dem Zulieferer einer seiner eigenen Lieferanten ausfällt? Welche Folgen hätte eine Produktionsverlagerung zugelieferter Bauteile ans andere Ende der Welt?Auf Basis von Starks Empfehlungen werden langfristige Verträge, teilweise im dreistelligen Millionenbereich abgeschlossen. Kommt es während der Serienproduktion bei einem seiner Zulieferer zu Qualitäts- oder Lieferproblemen, weil plötzlich ein Stecker nicht mehr passt, eine Schiffsladung versinkt oder der Laden gar Pleite geht, muss der Facheinkäufer möglichst schnell eine wirtschaftlich und technisch akzeptable Lösung finden.

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