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Fremdsprachen

Wirtschaftsdeutsch für Amerikaner

(Quelle: dpa)
Wer im Rennen um die besten Jobs bestehen will, muss Chefs das gewisse Extra bieten. In Deutschland ist Wirtschaftsenglisch aus Uni-Angeboten deshalb nicht mehr wegzudenken. Umgekehrt lockt in den USA „Business German“ immer mehr Studenten.
Amerikaner büffeln deutsche
Fachbegriffe – für die Karriere.Foto: © pst - Fotolia.com
Amerikas großer Satiriker Mark Twain machte aus seinen Qualen beim Studium der deutschen Sprache keinen Hehl. Sie sollte zu den toten Sprachen gezählt werden, notierte er launisch Ende des 19. Jahrhunderts, „denn nur die Toten haben Zeit, sie zu lernen“.

Lisa Sprowls (20) sieht das ganz anders: An der American University in der Hauptstadt Washington belegt sie Wirtschaftsdeutsch - weit spezieller als übliche Sprachkurse und aus ihrer Sicht noch gewinnbringender: „Das ist ein Kurs, bei dem man nicht nur Grammatik oder irgendwelche Vokabeln lernt“, erzählt die junge Frau. „Dieser Kurs ist wirklich nützlich und hilfreich für die Zukunft.“

Linda Sprowls ist keine Exotin. „Die Nachfrage nach Wirtschaftsdeutsch-Kursen wächst kontinuierlich“, weiß Katja Fullard vom Goethe-Institut in Chicago. Sie ist zuständig für die Berufskommunikation in Deutsch und gibt auch selbst die begehrten Kurse. „Die USA können nicht in Deutschland investieren und wirtschaftliche Beziehungen pflegen, ohne sich mit der deutschen Sprache auseinanderzusetzen“. Denn: Die USA sind wichtigster Handelspartner Deutschlands außerhalb der EU, Deutschland bedeutendster Handelspartner der Vereinigten Staaten in Europa.

Deutschkurse sind an der American University sehr gefragt

Beim „Business German“ steht statt Dialogen am Gemüsestand eher die Formulierung von Geschäftsbriefen im Vordergrund, anstelle von Alltagssätzen wie „Entschuldigen Sie, wann kommt die Straßenbahn?“ büffeln Schüler und Studenten volks- und betriebswirtschaftliche Vokabeln. Und oben drauf gibt es noch Lektionen zur wirtschaftlichen Rolle Deutschlands in der EU und der ganzen Welt.

Tania Burton unterrichtet Wirtschaftsdeutsch an der American University - und ihre Kurse seien immer voll, sagt die Lehrbeauftragte. Was sie aber auch nicht weiter wundert: „Deutsch ist die meistgesprochene Sprache in Europa. Das wissen auch die Studenten. Außerdem spielt Deutschland eine wichtige Rolle in der Weltwirtschaft.“

Das Motiv der Studenten: Im immer härteren Wettrennen um Jobs Arbeitgebern das gewisse Extra zu bieten. „Es gibt viele deutsche Unternehmen mit Standort in Amerika“, erläutert Lisa Sprowls. „Wenn ich Deutsch kann und auch einen Wirtschaftsdeutschkurs belegt habe, wird mir das später bestimmt helfen, wenn ich mich dort bewerbe.“ Claudia Wurll würde das wohl unterschreiben. Jedes Jahr landen mehr als 2000 Bewerbungen auf ihrem Tisch bei der deutschen Maschinenbaufirma Grenzebach am Standort Newnan (US-Staat Georgia), wo sie auch für Personalfragen zuständig ist. Zwar ist die offizielle Firmensprache am US-Standort Englisch. Aber: „Wenn ich die Bewerbungen durchschaue, sind für mich deutsche Sprachkenntnisse am wichtigsten.“

Firmennetzwerk funktioniert auf Deutsch

Doch nur knapp zehn Prozent der Kandidaten könnten sie vorweisen. „Schön wäre es natürlich, wenn noch viel mehr Bewerber Deutsch sprechen könnten.“ Das gesamte Firmennetzwerk funktioniere auf Deutsch. „Der neue Mitarbeiter lebt sich dann auch viel besser ein“, erklärt Wurll weiter.

Wer es noch nicht kann, dem hilft das Unternehmen deshalb und bietet Deutschkurse an.  Dass sich die Mühe lohnt, weiß Warren Zitlau. Ein paar Mal im Jahr reist der Patentanwalt nach Frankfurt, Düsseldorf oder München, um Partnerkanzleien zu besuchen. Vor etwa einem Jahr begann der 42- Jährige, Deutschkurse am Goethe-Institut zu belegen. „Auch wenn ich noch nicht sehr viel kann, schätzen es die deutschen Kollegen unheimlich, dass ich mich darum bemühe, Deutsch zu lernen“, sagt er.

Verhandlungen würden zwar sowieso auf Englisch abgehalten, aber gerade bei kurzen Gesprächen mit Kollegen, sei es durchaus ein Vorteil, Deutsch zu können, da dies die Arbeitsatmosphäre verbessere. Er bestätigt: „Deutsch wird für viele Amerikaner immer attraktiver“ - trotz aller frustrierender Erfahrungen Mark Twains. (Quelle: dpa)

Dieser Artikel ist erschienen am 03.11.2010

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