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Medienforscherin Sabria David Auswirkungen und Potenzialen des digitalen Wandels auf Gesellschaft, Arbeit und Medien
Die Medienforscherin Sabria David ist Gründerin des Slow Media Instituts, das zu Auswirkungen und Potenzialen des digitalen Wandels auf Gesellschaft, Arbeit und Medien forscht. Sie ist außerdem Mitglied des Präsidiums von Wikimedia Deutschland.Foto: Anja Krieger
DIGITALISIERUNG | Aktive Arbeitsgestaltung

"Wir müssen Zukunftskompetenzen entwickeln"

Teil 2: Umfeld zur Fokussierung und klare Vorgaben schaffen

Werden Menschen sich den Herausforderungen der Digitalisierung nicht zwangsläufig anpassen?

In der Anwendung neuer Technik entwickeln wir neue Kulturtechniken des Umgangs. Allerdings ist bei der rasanten Digitalisierung Eile geboten, digitale Kompetenzen müssen gestärkt werden. Hier ist jeder Mitarbeiter gefordert, für sich die richtige Entscheidung zu treffen. Es ist auch die Aufgabe der Arbeitgeber, das zum Thema zu machen.

Wie kann das gelingen?

Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten ihre Erwartungen explizit formulieren und sich über Richtlinien zum digitalen Arbeitsschutz verständigen.

Wie unser Institut in der repräsentativen SlowTypes-Studie herausgefunden hat, gibt es eindeutig ein Grundbedürfnis nach Fokussierung: 92,5 Prozent der über 2.000 Teilnehmer finden es wichtig, sich voll und ganz auf das zu konzentrieren, was sie gerade tun – übrigens auch die meisten Digital Natives! Aber wie sieht die Realität aus? Wir leben in einer Welt voller Unterbrechungsreize. Als Beraterin höre ich in Unternehmen immer wieder diesen Satz: "Ich wünschte, ich würde mal wieder zu meiner eigentlichen Arbeit kommen!" Man hat also den ganzen Tag etwas getan, aber nichts geschafft. Das führt zu Unzufriedenheit.

Was ich damit sagen will: Arbeitgeber können sich darauf verlassen, dass ihre Mitarbeiter konzentriert arbeiten wollen. Sie können die Produktivität erhöhen, wenn sie dafür ein entsprechendes Umfeld und klare Vorgaben schaffen. Es ist wichtig, die Digitalisierung positiv zu gestalten, anstatt sich von ihr treiben zu lassen.

Berufe werden sich wandeln, die Anforderungen werden höher – ständige Qualifizierung und Weiterbildung werden zum Leitmotiv einer neuen Zeit. Ist das die neue Überforderung?

Wir müssen Zukunftskompetenzen entwickeln. Notwendig ist eine Kommunikation im Sinne der digitalen Kultur. Es reicht nicht allein, die Technik bedienen zu können, sondern es geht darum, Wissen zu teilen und auszutauschen. Was gelingen muss, ist der Wechsel vom Linearen zum Komplexen. Nehmen Sie Terminabsprachen: Ein Tool wie Doodle vereinfacht diesen Vorgang sehr deutlich gegenüber der Nutzung von E-Mails, da sofort für alle sichtbar ist, welcher Termin bevorzugt wird. Die Effizienz steigt, das Tempo auch, wobei Ressourcen geschont werden. Insgesamt haben E-Mails zu viel Raum bekommen. Oft wird vergessen, wieviel einfacher es wäre, miteinander zu sprechen oder kollaborative Werkzeuge wie Wikis einzusetzen.


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