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Interview Zeitforscher Karlheinz Geißler

"Wieder lernen, Pausen zu machen"

Interview: Liane Borghardt, wiwo.de
Frühaufsteher, Langschläfer oder Topmanager: Ohne ein Zeitmanagement sinkt die Leistung. Zeitforscher Karlheinz Geißler über den richtigen Arbeitsrhythmus.

Foto: Jean B. /Fotolia

Herr Professor Geißler, der VW-Betriebsrat hat für einen Teil seiner Mitarbeiter jüngst einen E-Mail-Stopp nach Feierabend durchgesetzt. Ist das nicht naiv in Zeiten globaler Ökonomie und weltweiter digitaler Vernetzung?

Das Ziel ist dasselbe wie vor über hundert Jahren, als die Gewerkschaften den Achtstunden-Tag forderten: Nämlich den Erhalt der Arbeitskraft zu sichern. Die nicht-tariflichen Mitarbeiter bei VW sind ja von dieser Regelung ausgenommen. Das würde mit den Ansprüchen eines globalisierten Unternehmens kollidieren.
 
Eben – es wäre doch weltfremd zu glauben, dass sich einer der größten Automobilkonzerne der Welt dem Einsatz neuer Technologien entziehen könnte, die uns Aufgaben von überall und schneller erledigen lassen denn je.
Zeitforscher Karlheinz GeißlerFoto: timesandmore
Rein ökonomisch betrachtet hat mobiles Arbeiten fast nur Vorteile. Wachstum ist nur durch Beschleunigung zu erzielen. Wer auf dem globalen Markt aktiv ist, muss Zeitzonen überschreiten. Also lautet die Logik der Ökonomie: Schneller ist besser.

Die Ökonomie kennt kein Genug. Die Frage ist jedoch, wie weit die Menschen sich mit ihrer Zeitnatur diesem Prinzip anpassen können. Denn Menschen kennen ein Genug. Sie werden müde, erschöpft und erleiden, ignorieren sie das "Genug," einen Burnout.



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