Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Regine Stachelhaus im Portrait

Wie wird man eigentlich Vorstand bei HP?

Ulrike Heitze
Sie ist eine der wenigen Frauen im deutschen Topmanagement: Regine Stachelhaus, Geschäftsführerin von Hewlett-Packard Deutschland und Herrin über die Drucker-, Scanner- und Kamera-Sparte.
Der AlltagAuf ein imposantes Vorzeigebüro mit überdimensionalem Schreibtisch verzichtet Regine Stachelhaus gerne. Die Chefin sitzt im Großraumbüro, hinten in der Ecke, umringt von den Arbeitsplatz-Cubicals ihres Teams. Einziges Zeichen, dass sie was Besonderes ist: Statt der sonst üblichen in HP-blau gefilzten, brusthohen Stellwände hat Regine Stachelhaus zwei große Fensterbänder im Rücken. Kein tolles Panorama, aber immerhin Zimmer mit Ausblick.

Die besten Jobs von allen

Sie werden oft als Powerfrau, Powerlady betitelt. Wie finden Sie diese Labels?
Man gewöhnt sich dran, ein Exot zu sein. Ein Mann in der gleichen Position wird natürlich niemals als Powermann bezeichnet. Eine Frau wird einfach anders wahrgenommen. Das hat Vorteile, weil es mehr Aufmerksamkeit beschert. Auf der anderen Seite landet man schneller in Schubladen. Gerade bei Misserfolgen wird die Kompetenz schneller in Frage gestellt. Angela Merkel hat mal zu Beginn einer Rede ganz richtig festgestellt, dass Frauen eigentlich eine um fünf Minuten verlängerte Redezeit bräuchten, weil sich alle Zuschauer in den ersten fünf Minuten eh nur auf Frisur, Make-up und Kleidung konzentrieren.
Wie verschaffen Sie sich Gehör?
Wenn ich in einer Runde bin, in der sogenannte männliche Kommunikationsregeln gelten und ich nicht zu Wort komme oder mit meinen Ideen nicht durchdringe, dann muss ich halt mal in männlicher Form auf den Tisch hauen und sagen „Ich will jetzt das und das...“ Frauen würden eher so etwas wie „Man sollte vielleicht auch noch bedenken...“ formulieren. Wichtig ist, dass man dabei seine Authentizität und seine Persönlichkeit nicht verliert. Der Preis wäre mir sonst zu hoch.
Ist denn keine Besserung in Sicht?
Ich beobachte das ja jetzt schon ein paar Jahre, und da tut sich nur sehr langsam etwas. Frauen agieren und kommunizieren eben anders. Und solange die Mehrheit, die Männer, noch den Verhandlungston angeben, wird sich da nicht viel ändern. Erst, wenn Frauen in diesen Kreisen keine Minderheit mehr sind.
Missionieren Sie für Gleichberechtigung?
Das habe ich mir völlig abgewöhnt. Das überlasse ich der jeweiligen Ehefrau. Ich gehe davon aus, dass jedes Unternehmen inzwischen verstanden haben muss, dass eine paritätische Zusammensetzung ein absoluter Erfolgsfaktor ist.
Gibt es noch irritierte Gegenüber?
Bei Geschäftspartnern passiert einem das schon mal. Gerade wenn man auch noch jung ist, haben die manchmal ein Problem mit einem weiblichen Ansprechpartner. Aber wenn ich das merke, reagiere ich einfach entsprechend. Dann schick ich halt einen aus meinem Team hin.
Was ist dran an den Old-Boys-Networks, in denen die großen Geschäfte laufen?
Die gibt schon und man muss realistisch sehen: Frauen haben da keinen rechten Zugang zu. Aber bei uns zum Beispiel passieren die Geschäftsabschlüsse in der Regel im Konferenzraum und nicht in der Kneipe. - Vielleicht ist das auch ein Grund, warum ich so lange hier bin.
Welche Werte wollen Sie im Alltag rüberbringen?
Fairness und Seriösität im Umgang mit Mitarbeitern und Geschäftspartnern. Und dass man als Mitarbeiter dem Unternehmen gegenüber auch eine Verpflichtung hat. Es geht ja nicht nur darum, dass alle nett zueinander sind. Die Leistung muss auch stimmen.
Wie fällen Sie schwierige Entscheidungen?
Ich bin für schnelle, klare Entscheidungen, sobald alle Fakten auf dem Tisch liegen. Mit halbherzigen Dingen tut man weder sich noch anderen einen Gefallen.

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick