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Erfolgsgeschichten

Wie wird man Chef aller Arbeitslosen, Herr Weise?

Ulrike Heitze
Frank-Jürgen Weise war schon vieles: Kompaniechef, Vorstand, Existenzgründer - und nun Mega-Sanierer. Seit drei Jahren ist er Chef der Bundesagentur für Arbeit und damit der erste Manager aus der Wirtschaft in dieser Position.
Frank-Jürgen Weise: Vom Manager zum Chef der ArbeitslosenFoto: © PR
Junge Karriere: Ihr Schreibtisch sieht verdammt leer aus.
Frank-Jürgen Weise: Der sieht immer so aus. Ich arbeite alles ab und dann weg damit.
Sie haben einen Konzern geführt, eine Firma gegründet und jetzt einen Riesenklotz reformiert. Was strengt mehr an?
Am anstrengendsten ist die Aufgabe hier. Weil sie in allen Facetten sehr groß ist. Hier reicht es nicht, 50 Leute zu motivieren, ich muss ein paar mehr gewinnen. Hier bleibt es nicht bei einem neuen PC-Programm, sondern das hat gleich Auswirkungen auf die ganze Republik. Und die Aufgabe hier ist am meisten fremdbestimmt: Politik und Selbstverwaltung geben mir den Rahmen vor.

Die besten Jobs von allen

Was war das größte Sanierungsproblem?
Wir haben sehr vieles gleichzeitig machen müssen. Wir haben das Zielsystem komplett verändert, Führungskräfteentwicklung und Controlling eingeführt, das IT-System saniert. Eine normale Firma würde nicht gleichzeitig so viele Risiken eingehen.
Wie motivieren Sie die Mitarbeiter, Ihnen da hindurch zu folgen?
Wir haben zu Beginn viele von den Führungskräften ausgetauscht. Sie waren trainiert, seit 30 Jahren in eine bestimmte Richtung zu denken und zu handeln, bezugsorientiert, aber nicht aufs Ergebnis ausgerichtet. Da blieb uns oft nichts anderes übrig. Unser Ziel ist es, anerkannter und professioneller Dienstleister für die Menschen am Arbeitsmarkt zu sein. Das ist Motivation.
Und der normale Sachbearbeiter?
Die größte Zahl der Mitarbeiter will Erfolg haben. Es ist ein Unsinn anzunehmen, die wollten das alle nicht. Die quälen sich doch auch unter dem Misserfolg. Wenn sie bei Bekannten erzählen, dass sie bei der BA arbeiten, heißt es nur: "Och, du Ärmster!" Ich weiß nicht, ob wir schon alle Mitarbeiter gewonnen haben, aber sie haben sich nicht gegen die Sanierung gestemmt. Sehr viele zeigen jetzt, wie leistungsfähig sie sind.
Im Gegensatz zu Ihrem Vorgänger sieht man Sie selten im Rampenlicht. Warum?
Es strengt mich an. Ich bin es gewöhnt, die Dinge sehr direkt anzusprechen. Um die Bundesagentur voranzubringen, muss ich doch zum Beispiel erst mal klar feststellen, wo etwas falsch gelaufen ist. Wenn ich das aber in der Politik oder in der Öffentlichkeit tue, dann nutzen das viele, um damit zu beweisen, dass es eh nicht funktioniert. - Nein, ich hab's lieber ohne Scheinwerferlicht.
Als Gersters Nachfolger hat man Sie oft als zweite Wahl bezeichnet. Ärgert Sie das?
Nein, ich habe ja meine Aufgabe darin gesehen, diese Organisation zu führen und leistungsfähig zu machen, und nicht, sie politisch nach außen zu vertreten. Ich hätte ohnehin eher erwartet, dass man einen Politiker an die BA-Spitze beruft. Das hätte ich respektiert. Ich verstehe mich als Manager, der sich der Politik gerne unterordnet, der aber auch die Autorität hat, dass ihm niemand in seinen Job reinredet.
Studiert es sich beim Bund anders als an einer normalen Uni?
Wir hatten damals sehr gute Studienbedingungen: ein Jahrgang mit 20 Studenten, eine ausgezeichnete technische Ausstattung, eine intensive Betreuung und einen Mentor, der hartnäckig nachbohrte, wenn man schlechte Scheine geschrieben hatte, und der dann aber auch gute Lernangebote machte, um das zu beheben.
Obwohl Sie BWL studiert haben, schreibt die Presse oft, Sie seien Jurist. Wieso das?
Die Öffentlichkeit vermutet in solchen Positionen wohl eher Juristen. Ich bin Betriebswirt, ich will auf keinen Fall ein Jurist sein. Das ist ein Fehler in den Archiven, der immer wieder gerne weitergetragen wird. Aber ich habe untersagt, das berichtigen zu lassen. Sonst sagen alle, ich würde meine Geschichte umschreiben lassen oder so. 
Sie haben Ihre Jobs im Zwei- bis Fünf- Jahres-Rhythmus gewechselt. Stand dahinter ein konkreter Karriereplan?
Es folgte immer einer Logik: Die hieß Automobilzulieferer. Den einzigen Schlenker, den ich mir geleistet habe, war die Unternehmensberatung.
Und wieso haben Sie sich den geleistet?
Ich habe mich verführen lassen durch viel Geld und ein schönes Umfeld. Aber ich habe schnell gespürt, dass ich kein guter Unternehmensberater bin, sondern jemand, der auf der anderen Seite stehen muss.
Haben Sie es bereut?
Ich bereue ein bisschen, dass ich so lange geblieben bin.
Sie waren FAG-Vorstand und gingen auf einmal unter die Existenzgründer ... 
Das Thema - Logistik - war ja immer noch gleich. Der Rest war eher Zufall. Ein Freund aus Bundeswehrzeiten bot mir an, bei einem Management-Buy-out mitzumachen.

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