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Corporate Responsibility

Wie sozial ist ein Unternehmen?

Kirsten Ludowig
Gesellschaftliches Engagement - das erwarten Bewerber von ihrem zukünftigen Arbeitgeber. Woran aber erkennt man die Wohltäter unter den Unternehmen? Viele Nachhaltigkeitsberichte geben erst auf den zweiten Blick die Wahrheit preis.
Junge Menschen meiden rücksichtslose UnternehmenFoto: © manfredxy - Fotolia.com
Tut das Unternehmen tatsächlich Gutes oder spricht es lieber nur darüber? Die Frage stellen sich immer mehr junge Menschen, bevor sie ihre Bewerbung abschicken. Sie möchten wissen, ob der Arbeitgeber, für den sie vielleicht in Zukunft im Einsatz sein werden, unternehmerisch handelt und dabei freiwillig Verantwortung übernimmt: für Mensch und Umwelt, für die Gesellschaft.Corporate Social Responsibility (CSR), Corporate Responsibility (CR) oder Corporate Citizenship wird der Faktor genannt, der laut Absolventenumfragen der Marktforscher Universum und Trendence bei der Beurteilung der Attraktivität eines Arbeitgebers eine immer größere Rolle spielt - und zwar nicht erst seit Ausbruch der Wirtschaftskrise, die den Glauben in den Kapitalismus und den freien Markt erschüttert hat.

Die besten Jobs von allen

Drei-Säulen-Modell setzt sich durchNur wer definiert den gesellschaftlichen Verantwortungsbereich, und was versteht man unter CSR? Eine einheitliche Abgrenzung des Begriffs gibt es nicht, allerdings legen viele Unternehmen ihren CSR-Konzepten die Unterscheidung nach den Dimensionen der Nachhaltigkeit zugrunde: Ökonomie, Ökologie und Soziales. Dieses Drei-Säulen-Modell hat sich seit Mitte der 1990er-Jahre durchgesetzt. Typische Maßnahmen: Spenden & Sponsoring, Umwelt- und Klimaschutzprojekte (Energieeffizienz und -einsparung, Recycling, ökologische Innovationen), Aus- und Weiterbildung, Diversityprogramme, Richtlinien zur Arbeitssicherheit, Gesundheitsaktionen, Engagement für Bildung und Wissenschaft, Hilfsprojekte und vieles mehr. Auch das sogenannte Corporate Volunteering, die Freistellung von Mitarbeitern für Projekte gemeinnütziger Art, wird in den Unternehmen immer populärer."Wir beobachten schon seit einigen Jahren, dass die Generation Y - also die Mitt- und Endzwanziger - darauf Wert legt, dass sich der ideale Arbeitgeber im Bereich CSR engagiert", sagt Axel Keulertz, Research Director beim weltweiten Meinungsforscher Universum. Die Generation Y ist die erste, die mit Internet und E-Mail aufgewachsen ist. Sie ist mobiler, flexibler und für den Chef stets greifbar. Die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben verschwimmen, der Job nimmt einen großen Teil des Lebens ein. "Wenn ich mich für meinen Arbeitgeber derart stark einsetze, dann muss ich mich mit ihm identifizieren können; die Wertvorstellungen müssen übereinstimmen. Der Trend geht also auf eine Art Kulturwandel zurück."Andreas Suchanek, Professor am Lehrstuhl Sustainability und Global Ethics der Handelshochschule Leipzig (HHL) und Vorstand des Wittenberg-Zentrums für Globale Ethik, vergleicht die Suche nach einem Arbeitgeber sogar mit der nach einem Lebenspartner. "Ich weiß, dass ich in Zukunft viel Zeit mit dem einen Unternehmen verbringen werde und sollte mir einfach sicher sein, dass die Beziehung funktioniert."Geisteswissenschaftler setzen auf soziale VerantwortungIn einer aktuellen Universum-Umfrage unter 19195 Hochschulabsolventen auf der ganzen Welt verbinden 71 Prozent der Geisteswissenschaftler "ein hohes Level an sozialer Verantwortung" mit dem Wunscharbeitgeber. Bei den Naturwissenschaftlern sind es 50 Prozent, bei den Juristen 48 Prozent und bei den Ingenieuren, Betriebs- und Volkswirten 41 Prozent. Das sind zumindest bei der letzten Gruppe drei Prozent mehr als im Vorjahr. "Dieser Trend zeigt sich in der Krise natürlich noch einmal verstärkt", erklärt Axel Keulertz. Das Vertrauen in den Arbeitgeber, zum Beispiel bei der Jobgarantie, hat schon nach dem Zusammenbruch der New Economy ab dem Jahr 2000 gelitten - und jetzt ist es nicht anders. "Gerade weil die eigene Zukunft so unsicher ist, haben viele Absolventen stärker als früher das Bedürfnis nach einem Gegenpol. Es gibt Hoffnung, wenn ein Unternehmen bereit ist, sich trotz Kosteneinsparungen weiter zu engagieren."Zu den Top 10 der Arbeitgeber, denen die Befragten am meisten soziale Verantwortung zutrauen, gehören 2009 vor allem solche, deren Produkte und Dienstleistungen an sich bereits Pflichtgefühl erkennen lassen: So etwa die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit und das Auswärtige Amt. Es folgen aber auch Unternehmen wie der Autozulieferer Bosch, der Versandhandel Otto und der Mischkonzern Haniel.

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