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Weiterbildung

Wie finde ich die richtige Sprachreise?

W. Hacker
150 Veranstalter in Deutschland bieten Sprachreisen an. Von Business English auf Malta bis zum Kulturprogramm in Florenz ist für jeden etwas dabei. Doch nicht jeder Kurs hält, was er verspricht. Worauf Sie bei Auswahl und Buchung einer Sprachreise achten sollten.
Vorsicht vor den schwarzen Schafen!Foto: © Thomas - Fotolia.com
150 Veranstalter in Deutschland bieten Sprachreisen an. Von Business English auf Malta bis zum Kulturprogramm in Florenz ist für jeden etwas dabei. Doch nicht jeder Kurs hält, was er verspricht. Worauf Sie bei Auswahl und Buchung einer Sprachreise achten sollten.Das Zimmer war kalt und feucht, es roch wie im Keller. Fünf Deutsche teilten sich die Wohnung - da fiel die Konversation in der Fremdsprache natürlich flach. Der Sprachlehrer, vom Reiseveranstalter als "versierter Pädagoge" angepriesen, entpuppte sich als arbeitsloser Elektroingenieur. Auf Lehrbücher oder Übungsblätter warteten die Schüler vergebens. Einzige Unterrichtshilfe war ein altersschwacher Kassettenrekorder, aus dem Volkslieder dudelten. Den Kursteilnehmern war's bald wurscht - ab der zweiten Woche schwänzten sie und machten Shopping im 30 Kilometer entfernten Manchester. Nach dem Unterricht hätten sie dazu keine Gelegenheit gehabt, denn der letzte Bus fuhr um fünf.

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Horrorgeschichten wie diese hörte Kai Damitz einige. Der Industriefachwirt aus Nürtingen wollte sein Englisch in Großbritannien auffrischen und erkundigte sich bei Freunden nach deren Erfahrungen mit Sprachreisen. Damitz schaute sich daraufhin die Prospekte der Veranstalter genauer an. Vieles missfiel ihm: schwammige Auskünfte über die Schule, kein richtiges Unterrichtsprogramm, die Unterbringung nur als "landestypisch" oder "familiär" beschrieben.Tummelplatz für schwarze Schafe
Rund 150 Anbieter von Sprachreisen tummeln sich im deutschsprachigen Raum, nur 50 von ihnen arbeiten professionell, wie der Fachverband Deutscher Sprachreise-Veranstalter (FDSV) festgestellt hat. Als Profis gelten Anbieter, die in das Reiseveranstaltungsregister eingetragen sind und eine Konkursausfallversicherung besitzen.
Der Bedarf nach Orientierung ist groß im babylonischen Dschungel der Anbieter. 160.000 Teilnehmer pro Jahr buchen wie Damitz einen Sprachkurs im Ausland, um ihre berufliche Qualifikation zu verbessern. "Alles ist möglich", sagt Verbandschef Heiner Giese, "vom ferienbegleitenden Kurs für Schüler und Erwachsene über Kompaktangebote mit 20 Wochenstunden bis hin zum Crashkurs für Manager und fachbezogenen Sprachtraining für Ingenieure oder Juristen."Nach intensiver Suche wurde auch Kai Damitz fündig. Der Veranstalter Treff-Sprachreisen in Reutlingen überzeugte den 32-Jährigen auf Anhieb: "Er hatte mir keine Kataloge auf Hochglanzpapier geschickt, sondern ging im Antwortschreiben direkt auf meine Wünsche und Vorstellungen, auch hinsichtlich der Unterbringung, ein."Dafür war das Angebot auch das teuerste. 14 Tage "Intensive Business English" in Bournemouth mit 35 Wochenstunden für rund 1.500 Euro zuzüglich Flugticket. Das Geld war gut angelegt, findet Damitz: "Komfortables Einzelzimmer mit Schreibtisch, Dusche und WC bei einer sympathischen Familie, kurzer Fußweg zur Schule, erfahrene Lehrkräfte und lediglich drei bis vier Kursteilnehmer."Nicht alle Sprachtouristen fahren so gut mit ihren Veranstaltern. Manche sehen sich nach verpatztem Auslandsaufenthalt vor Gericht wieder - so haben Sprachschüler bereits erfolgreich gegen die Deutsch-Nordamerikanische Gesellschaft, Berlin, geklagt. Einen zweifelhaften Ruf hat auch IQ-Reisen in Essen, vor denen die Verbraucherberater der Aktion Bildungsinformation (ABI), Stuttgart, warnen.Dennoch liegt die Reklamationsquote nach FDSV-Angaben nur bei 1,1 Prozent - verglichen mit der gesamten Reisebranche ein bescheidener Wert. Ein Grund: Die Veranstalter bemühen sich um mehr Qualität. Seit Juni 2001 arbeiten mehr als 15 Länder an einer europäischen Norm für Sprachreisen. Das Ziel ist, Standards für Kunden und Veranstalter festzulegen.Erst testen, dann zahlen
Noch aber sind nicht alle Normen umgesetzt. Gerade das Internet öffnet unseriösen Anbietern Tür und Tor. "Dort treten Vermittler auf, die lediglich für ausländische Schulen und nach deren Bedingungen tätig sind", warnt Barbara Engler von der ABI. "Solche Vermittler bieten weder Haftung für das Einlösen der versprochenen Leistungen noch Rechtssicherheit für den Kunden." Im Extremfall ist das Geld längst überwiesen, während der Sprachtourist im Ausland mit vollen Koffern das nicht existente Schulgebäude sucht. 
Engler empfiehlt, vor der Buchung sorgfältig zu prüfen, ob es sich um einen voll haftenden Veranstalter handelt. "Und nicht gleich die Gesamtsumme im Voraus überweisen", rät sie. Üblich sind zehn Prozent Anzahlung auf den kompletten Rechnungsbetrag.

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