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Wie Facebook das Recruiting verändert

Jochen Mai, Christian Müßgens, Daniel Rettig/ wiwo.de
Facebook und seine mehr als 500 Millionen Mitglieder bilden längst eine kleine Parallelwelt im großen World Wide Web. Nun drängen auch immer mehr Unternehmen in das Netzwerk, um Produkte zu verkaufen oder neue Mitarbeiter zu rekrutieren - und das erfolgreich.
500 Millionen Mitglieder sind bei Facebook vernetztFoto: © iceteastock - Fotolia.com
Falls Ihnen dieser Artikel gefällt, würden Sie ihn im Anschluss Ihren Freunden weiterempfehlen? Nein, sagen Sie jetzt nichts. Denn ob Sie und wie viele weitere Leser dies tun werden, wird man später genau ablesen können – auf Facebook.YouTube, Twitter, Xing, StudiVZ – all diese sogenannten Social-Media-Seiten erreichen inzwischen zusammengenommen fast ein Sechstel aller Erdenbürger. 945 Millionen Besucher weltweit verzeichneten sie im vergangenen Juli, errechnete der US-Marktforscher Comscore. 23 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. In Deutschland fiel das Wachstum noch größer aus: plus 47 Prozent, das entspricht rund 38 Millionen Bundesbürgern.

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Ein Netzwerk aber überragt alle anderen: Facebook.Weltweit 700.000 neue UserÜber 500 Millionen Mitglieder verzeichnet der virtuelle Freundeskreis weltweit, jeden Tag kommen fast 700.000 weitere dazu. Oder anders ausgedrückt: Die Hälfte aller Internet-Nutzer des Planeten hat dort bereits ein persönliches Profil. Krethi und Plethi ebenso wie zahlreiche Zelebritäten, Künstler, Politiker. Selbst der Queen Elizabeth II. können Interessierte neuerdings auf Facebook huldigen. Seit kurzem besitzt das Königshaus dort eine eigene noble Seite, samt 213.000 Fans.Wäre Facebook ein Land, käme es – gemessen an seiner Bevölkerung – bereits auf Platz drei. Hinter China und Indien.In Deutschland knackte die Seite im Juli erstmals die Marke von zehn Millionen Mitgliedern. Damit rückt das Netzwerk weiter an die VZ-Gruppe der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck heran, die den deutschen Markt mit rund 17 Millionen Mitgliedern anführt.Kein Nutzer muss die Plattform noch verlassenNoch. Weltweit ist kein anderer Ort beliebter. Keine Nation kann sich über einen derart regen Zulauf an qualifizierten Fachkräften freuen, keine andere Gesellschaft weist ein so gesundes Verhältnis von Alten und Jungen auf, nirgendwo wird bereitwillig so viel Zeit verbracht und nirgendwo sonst liegen die Einbürgerungshürden so niedrig wie bei Facebook: Ein paar Klicks reichen aus – schon gehört man dazu.War das Netzwerk bisher eher bekannt als Weltzentrale der Trivialitäten und peinlicher Saufbilder, so ist es mittlerweile der Seismograf gleich mehrerer Generationen. Hier zeigt sich, was die Menschen interessiert, welche Musik sie am liebsten hören, welche Autos sie begehren, welche Bücher sie lesen, welche Internet-Seiten sie regelmäßig besuchen, ja sogar wann sie arbeiten und wann sie mit ihren Partnern Schluss machen (meistens montags und kurz vor Weihnachten).Schon lange können die Nutzer auf Facebook nicht mehr nur miteinander chatten, e-mailen, spielen, Erlebnisse und Empfehlungen austauschen: Als einziges Netzwerk hat sich die Seite zu einer Art Internet im Internet entwickelt – mit enormer Gravitation, die alle und alles anzieht.Privates und Berufliches, Freud und Leid, Kommunikation und Kommerz, Politik und Unterhaltung – nirgendwo sind sie sich näher als hier. Kein Nutzer muss die Plattform noch verlassen: Was immer es zu wissen, zu kaufen oder auszutauschen gilt – alle erfahren die Kunde hier. Und immer öfter sogar als Erstes.Sein explosives Wachstum verdankt Facebook vor allem zwei Innovationen: den sogenannten Fanseiten, von denen mittlerweile knapp vier Millionen weltweit existieren. Und der Einführung des "Gefällt mir"-Knopfes.Rund 400.000 Internet-Seiten haben den kleinen blauen Daumen bereits in ihrem Erscheinungsbild integriert. Wer bei Facebook angemeldet ist, kann so beim Vorbeisurfen mit nur einem Klick einen Text, ein Video oder ein Produkt "liken" und dies damit automatisch seinem virtuellen Freundeskreis mitteilen. So entsteht ein einzigartiges Netzwerk gemeinsamer Interessen und Empfehlungen.Aus Freunden werden FansHinzu kommt die Dynamik der Facebook-Schöpfer selbst. Beinahe wöchentlich stellt Gründer Mark Zuckerberg neue Produkte vor. Im Oktober erst startete in Deutschland der Ortsdienst Places. Wer ein internetfähiges Mobiltelefon besitzt, kann darüber Freunde über seinen aktuellen Aufenthaltsort informieren. Kurz zuvor wurde die Kooperation mit dem Internet-Telefoniedienst Skype bekannt, sodass bald auch telefonieren über die Plattform möglich werden könnte. Und vor wenigen Tagen erst präsentierte Zuckerberg das Programm Deals, mit dem Unternehmen Mitgliedern Sonderangebote vorstellen können.(Artikel zuerst erschienen auf WirtschaftsWoche Online wiwo.de)

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