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Führungsstil

Werte und Prinzipien für die Karriereleiter

Claudia Obmann
Gewinnstreben und Gemeinsinn galten lange Zeit als Widersprüche. Doch die neue Management-Generation sieht das anders. Das Motto "Eine Wertegemeinschaft ist eine starke Leistungsgemeinschaft" wirkt sich auch auf die Personalpolitik aus.
Für die neue "Generation Chef" ist Ethik kein FremdwortFoto: © Kzenon - Fotolia.com
Solche klaren Manager-Bekenntnisse sind selten: Burkhard Schwenker, Aufsichtsratschef des Beratungshauses Roland Berger, hält sich ein Schild vor die Brust, auf dem steht in dicken Lettern: "Verantwortung". "Respekt" dagegen prangt neben Andreas Kuhn. Es scheint, als ob der Direktor vom IT-Beratungshaus Capgemini es gleich mit dem Megaphon verkündet.Schwenker und Kuhn halten ihre Köpfe für eine ungewöhnliche Kampagne hin: Sie wirbt außer für Verantwortung und Respekt auch noch für Integrität, Mut, Vertrauen und Nachhaltigkeit in der Unternehmensführung - die moderne Interpretation der Kardinaltugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maß.

Die besten Jobs von allen

Trotzdem keine "Blümchenökonomie"Die Kampagne wird gerade erneut aufgelegt, denn wertebasiertes Wirtschaften erlebt nach der Krise eine Renaissance. Inzwischen haben sich hinter den Tugend-Testimonials rund 1400 Chefs und Führungskräfte der deutschen Wertekommission zusammengeschlossen. Sie wollen sich mit dem scheinbaren Widerspruch zwischen ökonomischen und ethischen Zielen nicht länger abfinden, sondern sind von der Notwendigkeit und dem Nutzen wertegeleiteten Verhaltens für die Wirtschaft und für die Gesellschaft überzeugt und setzen sich dafür ein. "Das bedeutet aber nicht den Beginn der Blümchenökonomie, sondern dahinter steht die Erkenntnis, dass eine Wertegemeinschaft eine starke Leistungsgemeinschaft ist", sagt der Kommissionsvorsitzende Sven Korndörffer.Die Aktion fällt auf fruchtbaren Boden, wie eine aktuelle Studie der Wertekommission zeigt, deren Ergebnis dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Demzufolge sehen deutsche Führungskräfte ihr moralisches Gerüst insgesamt durch die Krise wenig verändert. "Neu ist aber die größere Entschlossenheit, die eigenen Werte gegenüber der betriebswirtschaftlichen Logik durchzusetzen", sagt Korndörffer.Ihm zufolge deuten die Antworten der rund 300 Befragten auf ein erhöhtes Maß an Mut und Verantwortungsbewusstsein hin: Jede zweite Führungskraft würde für sich Einschränkungen in Kauf nehmen, wenn Geschäftsbeziehungen deshalb beendet werden, weil die Grenzen gegenseitigen Respekts nicht eingehalten werden. Wenn es dem Gegenüber also an Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit fehlt - den für das Gelingen gemeinsamer Vorhaben wichtigsten Charakterzügen.Vor allem der Management-Nachwuchs will seine Werte nicht an der Garderobe abgeben, sondern nachhaltig und gerechter handeln als die derzeitige Managergeneration. Das bestätigt eine Studie von IBM, für die 3 600 Studenten und Chefs weltweit nach ihren Führungsansätzen gefragt wurden.Lippenbekenntnis wird entlarvtIm Kampf um qualifizierte Kräfte ist eine faire, vertrauensvolle und wertschätzende Unternehmenskultur für Arbeitgeber Trumpf. Dabei gesellschaftliche Belange zu berücksichtigen, die Umwelt im Blick zu behalten und die nachfolgenden Generationen nicht zu vergessen, ist das Gebot der Stunde. Das reine Lippenbekenntnis allerdings ist in Zeiten von Web 2.0 rasch entlarvt.Dass sich werteorientiertes Handeln rechnet, belegen viele Beispiele: So überstand der Nachhaltigkeits-Champion unter den Geldhäusern, die mehr als 330 Jahre alte Metzler-Privatbank, auch die letzte Finanzkrise unbeschadet, weil sie sich strikt an ihre Leitsätze hielt. "Nachhaltigkeit, Vertrauen und Integrität gegenüber Kunden und Mitarbeitern sind für uns zentral", sagt Bankier Friedrich von Metzler. Außerdem ist Rückgrat gefragt, wenn es darum geht, nicht mit dem Strom zu schwimmen. Der besondere Corpsgeist der Bank zeigt sich auch bei der Erfolgsbeteiligung der Mitarbeiter. Sie wird nach der bereichsübergreifenden Leistung des jeweiligen Teams vergeben und nicht an Einzelne vermeintliche Stars.Die Mitarbeiter goutieren diese wertezentrierte Unternehmenskultur: die Loyalität der derzeit 750 Mitarbeiter liegt deutlich höher als die Fluktuationsquote der Branche insgesamt. Seine Philosophie von Gewinn und sozialer Gerechtigkeit erklärt der Bankier mit den Worten von Henry Ford II: "Ein Unternehmen, das nur Geld verdient, ist ein armes Unternehmen. Wir leben in einer Gemeinschaft, in der wir Geld verdienen. Deshalb engagieren wir uns auch stark gesellschaftlich und sozial."

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