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Fachkräfte gesucht

Wer rettet unser Wasser?

Judith Schallenberg
Wasser gilt als wertvollste Ressource. Doch das blaue Gold ist bedroht. Missmanagement, der Klimawandel, der Konsum und die ansteigende Weltbevölkerung machen es zu einem raren Gut. Daher sind Fachkräfte gefragt, die das Wasser schützen.
Wasser wird immer knapperFoto: © Anton Prado PHOTO - Fotolia.com
Die Sonne brennt, Regen fällt höchstens im Winter ein bisschen, und doch blüht mitten in Abu Dhabi das Leben. Verdorrte Pflanzen und Bäume sucht man vergebens. "Alles ist unglaublich grün", sagt Mareike Boccola. "Dass wir in der Wüste leben, spüren wir nur an der Hitze." Der Grund ist recht einfach. In dem ölreichen Emirat wird großzügig bewässert. Es gibt zahllose Parks und Brunnen, künstliche Oasen und Seen. Selbst die Golfplätze sind in blendendem Zustand. Sie werden mit Abwasser am Leben gehalten, das auch beim Autowaschen und zur Stadtbegrünung zum Einsatz kommt.Mareike Boccola, 33, ist Teil dieses Systems. Sie ist für Befesa Agua tätig, eine spanische Firma, die sich auf Meerwasserentsalzung, den weltweiten Bau von Kläranlagen und Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung spezialisiert hat. Am Golf baut Boccola das Geschäft ihres Arbeitgebers aus. "Die Region hier lebt von Meerwasseraufbereitung." Die Betriebswirtin, die aus Hamm stammt, erlebt die große Ausnahme, denn der Menschheit geht das Wasser aus. Während die westliche Welt davon noch wenig spürt, wird der Mangel zum globalen Problem. "Der Druck auf die Ressource Wasser wächst", sagt Bernd Rusteberg. "Das ist eine große Chance für Fachkräfte mit Wasserfokus." Der promovierte Wasserwirtschaftsingenieur lehrt an der Uni Göttingen den internationalen Masterstudiengang Hydrogeologie und Umweltgeowissenschaften.

Die besten Jobs von allen

Das Wasser wird knappSchon heute hat ein Großteil der Menschen keinen Zugang zu Wasser. In den nächsten Jahrzehnten geht es an die Reserven. Laut UN-Kommission für nachhaltige Entwicklung (CSD) leben in 15 Jahren 47 Prozent der Weltbevölkerung in Niedriglohnländern mit unzureichender Wasserversorgung. Zugleich bedrohen häufigere Dürren die Landwirtschaft. Überflutungen, Staudammprojekte, ungeklärte Fragen des Wasserrechts bringen die Staaten zusätzlich in Aufruhr und können schlimmstenfalls zu bewaffneten Konflikten oder Kriegen führen. Zu den Gründen zählen Missmanagement, der Klimawandel, Konsum und die Weltbevölkerung: Sie hat sich in den letzten 50 Jahren verdreifacht. Zugleich hat sich der Wasserverbrauch etwa versiebenfacht.So düster die Prognosen sind: "Die Berufsaussichten sind glänzend", sagt Christian von Hirschhausen, Inhaber des Lehrstuhls für Energiewirtschaft an der TU Dresden und Forscher am Deutschen Institut für Wirtschaft (DIW) Berlin. "Sie sehen es täglich in der Zeitung: Wenn man über das Klima spricht, spricht man über Wasser. Wenn von den Millennium-Zielen die Rede ist, ist die Rede von Wasser. Der Hunger in der Welt - eine Krise, die am Wasser hängt."Jobs sind in vielen Bereichen vorhandenWasserexperten - Ingenieure, Ökonomen, aber auch Politologen oder Juristen - entwickeln Strategien zur Deckung des Wasserbedarfs einer Region: Trinkwasser, Abwasser, Wasser für die Industrie und zur Bewässerung. Sie kümmern sich um die Infrastrukturen, reduzieren den Wasserverlust, bauen Anlagen oder simulieren die Auswirkungen von Wasserwirtschaftsvorhaben auf eine Region. Andere sind im Hochwasserschutz aktiv. Jobs bieten Beratungen, Ingenieurgesellschaften, internationale Entwicklungsbanken, Nichtregierungsorganisationen, der Umweltschutzsektor, Verwaltungen oder Institutionen in Lehre und Forschung.In Deutschland sind laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) rund 100000 Personen in der Wasserwirtschaft tätig - die Autowirtschaft zählt weniger direkte Arbeitsplätze. Deutschland ist weltweit der zweitgrößte bilaterale Geber im Wassersektor und zahlt pro Jahr 350 Millionen Euro an 27 Kooperationsländer, vor allem in Afrika. Eine Folge sind zukunftsorientierte Arbeitsplätze: Den deutschen Wassermarkt beherrschen mittelständische Unternehmen wie Huber SE im bayerischen Berching, aber auch Big Player wie Veolia Wasser GmbH. Die Tochtergesellschaft des europäischen Energie- und Umweltdienstleisters Veolia Environment ist Partner für Kommunen und Industrie im Wasser-, Abwasser- und Stadtwerkegeschäft.

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