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Dresscode
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Dresscode

Wer im Büro beim Stil den Ton angibt

von Kerstin Dämon, wiwo.de
Bei einer Hochzeit soll keine Frau mehr Blicke auf sich ziehen, als die Braut. Doch wie verhält es sich, wenn man selbst am liebsten Maßanzug trägt, der Chef aber ein Jeans- und T-Shirt-Typ ist? Und wie ist es umgekehrt?
Sie sitzen in Ihrem Büro – der Anzug vom Maßschneider, geschmackvolle Manschettenknöpfe, italienische Lederschuhe und Edelfüller – und dann kommt der neue Vorgesetzte herein: Schlabberjeans, T-Shirt und ausgelatschten Turnschuhen.

Dass Führungskräfte oft sehr schlecht angezogen sind, erlebt Elisabeth Motsch, Trainerin für Image, Outfit und Umgangsformen, regelmäßig.

Ist der Angestellte dann deutlich besser gekleidet, wirkt es schnell, als wolle er den Boss übertrumpfen. Genauso einen schlechten Eindruck macht es, wenn der Vorstand mit dem klapprigen Rad zur Arbeit kommt und der Leiter der Personalabteilung fährt mit dem Bugatti vor. Entsprechend sorge ein schlecht angezogener Chef bei stilbewussten Mitarbeitern für Verunsicherung. Das Problem sei, dass sich die Mitarbeiter oft nicht trauen, sich besser anzuziehen, als der Chef, sagt Motsch.

Nicht übertreiben

"Die Kunst besteht darin, dass der Vorgesetzte nicht merkt, dass sein Angestellter besser angezogen ist", sagt Bernhard Roetzel, der mit seinem in 19 Sprachen übersetzten Buch "Der Gentleman. Handbuch der klassischen Herrenmode" als Gentleman-Papst gilt. So dürfen Kostüm oder Anzug natürlich weiter vom Lieblingsschneider gefertigt werden. Nur etwas dezenter darf es dann gerne sein: Statt Einstecktuch, Weste, und Krawatte reichen vielleicht auch Krawatte und Tuch.

Grundsätzlich sollte man es nicht übertreiben, rät Motsch. "Bei einer Hochzeit sollte man sich auch nicht zu sehr in Szene setzen und die Farben Weiß, Creme und ganz Schwarz vermeiden." Ähnlich sei es im beruflichen Kontext. "Wenn man in einem Unternehmen arbeitet, wo niemand einen Anzug erwartet, wirkt man im Maßanzug schnell overdressed", sagt sie. Und auch der Versicherungsmakler, der in einem schwarzen Anzug mit weißem Hemd und roter Krawatte zu einem Termin mit einem Bauern auf dessen Hof fährt, übertreibt. Mit einem mittelgrauen oder mittelblauen Anzug wäre dagegen alles in Ordnung. Ob der Anzug nun maßgeschneidert ist oder nicht, spielt dabei erst einmal keine Rolle.

Im Zweifelsfall fragen

Geht der Versicherungsmakler allerdings mit seinem Vorgesetzten zu dem Landwirt und der Chef trägt Jeans und T-Shirt, sei auch der graue Anzug zu viel, weil der Abstand zu groß sei, so Motsch. "Da würde ich eine Stoffhose mit sportlichem Sakko empfehlen, wenn der Mitarbeiter im Normalfall ein Anzugträger ist."

"Generell empfehle ich, vor gemeinsamen Terminen zu fragen, welcher Dresscode gewünscht ist", rät Motsch. Wenn der Chef dann ankündigt, Jeans und Polo-Shirt anzuziehen, könne man immer noch sagen: Ich ziehe lieber noch ein Sakko an. Denn aus einem Anzug-Liebhaber macht auch ein Vorgesetzter keinen Fan von Jogginghosen, wie Roetzel weiß. "Wer immer Anzug im Büro getragen hat und daran Spaß hat, wird sich im Freizeitlook nicht wohl fühlen", sagt er. "Wenn er zum Beispiel in der Mittagpause beim Italiener andere Geschäftsleute oder gar Ex-Kollegen trifft, wird er sich in seinem legeren Outfit albern vorkommen."

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