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Gefühle beeinflussen Job
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Gefühle bei der Arbeit

Wer glücklich ist, leistet mehr

Interview: Tina Groll, zeit.de
Gefühle bestimmen unser Handeln. Glückliche Mitarbeiter arbeiten besser, sagt Arbeitspsychologin Laura Venz. Können Chefs die Emotionen ihrer Teams steuern?
Frau Venz, welchen Einfluss haben Gefühle auf die Arbeit?

Einen großen. Unsere Gefühle beeinflussen alles, was wir leisten können und wollen. Wer glücklich ist, der ist in der Regel auch leistungsfähig. Wer hingegen traurig ist und stark belastet, der bringt oft geringere Leistungen. Wobei durchaus auch negative Gefühle kurzfristig positive Effekte haben können – Wut etwa kann produktiv und durchaus kreativ machen. Als Arbeitspsychologen interessiert uns vor allem die Frage, wovon "gute" Gefühle bei der Arbeit abhängen und welche Faktoren die Gefühle bei der Arbeit beeinflussen.

Mitarbeiter bringen ihre Gefühle ja oft mit zum Arbeitsplatz. Darauf hat ein Unternehmen keinen Einfluss.

Das stimmt. Und dennoch wird ein gewisser Rahmen auch durch die Arbeit geprägt. Die Forschung hat sich bislang sehr stark auf soziale Berufe konzentriert: etwa auf die Pflege. Was macht es mit einem Menschen, der eigentlich einen emotionalen guten Zustand hat, wenn er Angehörigen die Todesnachricht eines Patienten überbringen muss? Seit etwa zehn Jahren spielen Gefühle bei der Arbeit über die Branchen hinweg eine Rolle.

Stichwort empathische Chefs: Ist es nicht zu viel verlangt, wenn Unternehmen jetzt auch noch die Gefühle der Mitarbeiter steuern wollen?

Wenn es darauf abzielt, dass Mitarbeiter stets gut gelaunt sein sollen, dann ist das sicher der falsche Ansatz. Aber das ist auch gar nicht möglich. Vielmehr geht es um die Frage, wie gesunde – eben auch emotional gesunde – Arbeitsbedingungen geschaffen werden können. Und das ist angesichts der Burn-out-Debatte eine vernünftige Frage. Denn positive Gefühle sind beispielsweise besser möglich, wenn Arbeitnehmer genügend Handlungsspielraum haben, wenn sie Unterstützung bekommen, in einem angenehmen Betriebsklima arbeiten, das geprägt ist von Wertschätzung. Wenn es Feedback gibt und wenn es möglich ist, sich über Erfolge auch zu freuen. Wenn es nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig zu tun gibt. Und wenn die Identifikation mit dem Arbeitgeber vorhanden ist.

Erfordert das nicht eine völlig neue Qualität von Führung?

Da muss man realistisch sein – alles hat Grenzen. Eine Personalführung, die darauf abzielt, die Gefühle der Teammitglieder positiv zu beeinflussen, müsste ja tagesspezifisch angepasst werden, weil jeder Mensch jeden Tag anders fühlt. Das halte ich für zu viel verlangt. Aber selbstverständlich sollten sich Führungskräfte darüber im Klaren sein, dass die Arbeitsbedingungen die Gefühlswelt der Mitarbeiter beeinflussen. Cholerisches Verhalten etwa, fehlendes Feedback – wer die Zusammenhänge kennt und versteht, kann auch daran arbeiten, ein positives Betriebsklima herzustellen, in dem die Mitarbeiter sich positiv entfalten können. Das ist am Ende auch gut für den Unternehmenserfolg.

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