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Nur wenige Mitarbeiter sind wirklich zufrieden mit ihren Job
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Jobzufriedenheit

Wenn der Spaß verloren geht

Teil 2: Schlechte Chefs vertreiben gute Mitarbeiter

Andere Manager schwören auf mehr Flexibilität für die Mitarbeiter, um deren Loyalität zu erhöhen. "Jeder Mitarbeiter sollte entscheiden können, wie viel Flexibilität er benötigt, um einerseits produktiv zu sein und um andererseits eine ausgeglichene Work-Life-Balance zu haben", glaubt beispielsweise Michael Rosbach, Vorstand des Cloudanbieters Scopevisio AG und Experte für künstliche Intelligenz.

Bei den Marktforschern von Gallup heißt es, dass vor allem Schwächen in der Unternehmenskultur und Defizite in der Personalführung Schuld haben, wenn Mitarbeiter innerlich kündigen. Sind Chefs schlechte Führungskräfte, würden motivierte Leute zu Verweigerern. Führungskräfte sollten sich deshalb auf drei Aspekte fokussieren: Zugänglichkeit, Zuständigkeit und Zielorientierung.

"Zuständigkeit steht dafür, dass Führungskräfte wissen, an welchen Aufgaben und Projekten ihre Mitarbeiter gerade arbeiten, und wie sie ihre Mitarbeiter für deren Leistung verantwortlich halten und kommunizieren", erläutert Nink. "Sie konzentrieren sich auf die Stärken der Mitarbeiter, anstatt auf deren Schwächen."

Führungskräfte müssen umdenken

In der Praxis funktioniere das leider noch nicht sonderlich gut, wie Matthias Frye sagt. Er ist Regional Manager für Zentraleuropa bei Questback, einem Spezialisten für Befragungsmanagement. "Oftmals schätzen Führungskräfte ihren Führungsstil falsch ein. Während der Teamleiter meint, eine gute Führungskraft zu sein, hat sein Team vielleicht schon innerlich gekündigt", so seine Erfahrung.

Fazit von Marco Nink: "Um den Fokus auf die Stärken des einzelnen Mitarbeiters zu legen und die emotionale Mitarbeiterbindung nachhaltig zu steigern, brauchen wir ein echtes Update in den Führungsetagen. Unternehmen müssen ein Performance Management aufbauen, das Führungsqualität honoriert und Mitarbeiterbindung zur entscheidenden Kennzahl macht." Das sieht auch Hanno Renner so. Er gründete 2015 mit Freunden das HR-Start-up Personio, in das auch die Samwer Brüder investierten. "Die Mitarbeiter wollen an Prozessen teilhaben und Herr über ihre eigenen Daten sein. Sie wollen nicht, dass die Personalabteilung wie die Stasi geheime Akten über sie führt", sagt er. In immer mehr Unternehmen sei das auch angekommen. Die Demokratisierung von Wissen und Informationen schreite voran. Wovon die Unternehmen letztlich auch finanziell profitieren, worauf auch Renner hinweist. "Tools und Reportings können jetzt schon sichtbar machen, in welchen Teams der Krankenstand oder die Fluktuation besonders hoch sind. Wenn solche Missstände sichtbar sind, können Führungskräfte auf die Mitarbeiter zugehen und die Teamleiter sensibilisieren."


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 25.10.2017

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