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Nur wenige Mitarbeiter sind wirklich zufrieden mit ihren Job
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Jobzufriedenheit

Wenn der Spaß verloren geht

Kerstin Dämon, wiwo.de
Der Gallup-Index zeigt, wie viele Menschen zufrieden mit ihrer Arbeit sind. In Deutschland sind es 15 Prozent. In Europa ist das noch viel. Lust auf Arbeit haben nur die Amerikaner. Für die Wirtschaft ist das gefährlich.
Jedes Frühjahr zeichnet das Marktforschungsunternehmen Gallup ein düsteres Bild von der deutschen Arbeitswelt. Dann nämlich veröffentlichen die Marktforscher ihren Engagement-Index, für den sie die Deutschen befragen, wie zufrieden sie mit ihrem Job und ihrem Vorgesetzten sind, wie es um ihre Motivation und Leistungsbereitschaft steht.

Und das Ergebnis ist nie positiv: 2017 hat das Unternehmen 1413 Arbeitnehmer befragt, lediglich 15 Prozent davon arbeiten gerne und sind motiviert. Der Rest bummelt am Arbeitsplatz seine vertraglich vereinbarte Zeit ab. Die Folge sind ein hoher Krankenstand und eine geringe Produktivität, sagt Marco Nink, Studienverantwortlicher bei Gallup.

Er schätzt, dass den deutschen Unternehmen deshalb jährlich zwischen 80 und 105 Milliarden Euro entgehen. "Innere Kündiger arbeiten nicht nur mit angezogener Handbremse, sondern legen auch Verhaltensweisen an den Tag, die bis zum bewussten Schädigen des Arbeitsgebers reichen. Sie sind beispielsweise weniger kundenfokussiert, weniger innovativ oder fehlen häufiger."

Im europäischen Vergleich sind 15 Prozent allerdings noch gut, wie die aktuelle Vergleichsstudie "State of the Global Workplace" zeigt, für die Gallup insgesamt 155 Länder untersucht hat.

Mitarbeiterbindung ist entscheidend für den Unternehmenserfolg

Demnach sind in der Europäischen Union im Schnitt elf Prozent aller Arbeitnehmer emotional hoch gebunden. 25 Prozent der Arbeitnehmer in der EU haben innerlich gekündigt.

Besonders schlecht steht es um die Motivation von Italienern, Franzosen und Japanern. In diesen Ländern sind nur fünf bis sechs Prozent mit Leidenschaft bei der Sache. Jeder dritte Italiener (30 Prozent) – aber auch jeder vierte Franzose (25 Prozent) und fast jeder vierte Japaner (23 Prozent) – hat innerlich bereits gekündigt.


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"Wenn sich in hoch entwickelten Industriestaaten ein substantieller Teil der Beschäftigten in die innere Kündigung zurückzieht, gefährdet das den Erfolg der gesamten Volkswirtschaft. Denn Mitarbeiterbindung ist ein entscheidender Hebel für die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen", so Nink. Tatsächlich gibt es nur eine Industrienation, die mit Feuereifer bei der Sache ist. Und das sind die Amerikaner. Dort sind 33 Prozent der Beschäftigten emotional an ihren Job und ihren Arbeitgeber gebunden. "Das scheint zunächst paradox, denkt man an die dortige 'Hire and Fire'-Kultur", sagt Patricia DuChene, die bei Wrike für das Geschäft in Europa und dem Nahen Osten zuständig ist. Wrike ist ein amerikanischer Hersteller von Projektmanagementsoftware. Sie glaubt, dass es an den in Amerika üblichen flachen Hierarchien liegt, dass Mitarbeiter sich stärker mit dem Unternehmen identifizieren.

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