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Immer mehr Berufstätige sind Workaholics.
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Arbeitssucht

Wenn der Job zur Belastung wird

Teil 2: Negative Gefühle überwiegen

Die einen sind süchtig geworden nach dem Kickgefühl und schuften sich langsam in die Erschöpfung. Dabei werden sie immer unproduktiver. Und verzetteln sich vielfach in einer späteren Phase. Diese Erfahrungen von Misserfolg werden als stark belastend wahrgenommen. Oft kasteit sich der Erkrankte dann selbst und versucht, noch härter und noch konzentrierter zu arbeiten. Eine Abwärtsspirale beginnt. Die Betroffenen ziehen sich immer mehr zurück. Für Privatleben, Familie, Freunde, Hobbys und Erholung fehlt zunehmend die Zeit.

Die anderen haben schon lange keine positiven Gefühle mehr bei der Arbeit, sondern arbeiten aus Angst und aus Perfektionismus. Häufig kommt auch vor, dass Arbeit chronisch aufgeschoben wird – aus Angst, zu versagen. Auch hier sind die Effekte letztlich sehr ähnlich.

Starke Ähnlichkeit zum Burn-Out

Problematisch dabei ist: Medizinisch gilt Arbeitssucht nicht als Krankheit. Anerkannt ist der zwanghafte Umgang mit Arbeit nicht – ähnlich wie beim Burn-out. Entsprechend fehlt ein Diagnosekatalog. Und entsprechend fehlen auch valide Daten dazu. Auch gibt es in der Forschung noch wenige Studien, die Arbeitssucht und Burn-out-Erkrankungen von einander abgrenzen. Klar ist: Beides bedingt einander. Und beide Phänomene werden durch die Bedingungen in der modernen Arbeitswelt verstärkt. Der digitale Wandel macht Arbeit immer und überall möglich, Beschäftigungsverhältnisse werden brüchiger, unsicherer, flexibler – der Druck auf Arbeitnehmer steigt. Und das Abgrenzen wird immer schwieriger.

Hinzu kommt: Arbeitsschutz wird zunehmend abgebaut oder fehlt in modernen Arbeitswelten noch völlig, weil viele Vorschriften nicht greifen und wichtige Instanzen, die den Arbeitsschutz überwachen, wie Betriebsärzte und Betriebsräte, gerade in Start-ups und neu gegründeten Unternehmen fehlen. Zugleich kümmern sich Arbeitgeber auch zu wenig um Regeln, die der Gesundheit der Beschäftigten zuträglich wären. Und mit der Generation Y tritt eine Generation auf den Arbeitsmarkt, die flexibel arbeiten möchte und solange sie Tätigkeiten als sinnvoll erlebt, auch bereit ist, sich zu verausgaben.

Kein Wunder, dass Arbeitspsychologen befürchten, dass ein krankhafter Umgang mit Arbeit in Zukunft eher zu- als abnehmen wird.

Zuerst veröffentlicht auf: zeit.de
Dieser Artikel ist erschienen am 20.07.2016

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