Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Wenn der Erfolg zur Qual wird
Foto: lacamerachiara/Fotolia.com
Stress und Burnout

Wenn der Erfolg zur Qual wird

Katrin Terpitz
Der berufliche Druck quält viele Manager. Doch die wenigsten reden über dieses Tabuthema.Den meisten fehlt der private Ausgleich, um die Dauerbelastung auszuhalten. Eine exklusive Studie zeigt: Jede zehnte Führungskraft steigt deshalb aus dem Job aus.
Er war "Entrepreneur des Jahres 2012". Auf einer glanzvollen Gala in der Frankfurter Alten Oper wurde Bert Bleicher von der Beratung EY und dem "Manager Magazin" ausgezeichnet. Denn Bleicher hat Erstaunliches geleistet: In 18 Jahren als geschäftsführender Gesellschafter hat er den Umsatz eines mittelständischen Maschinenbauzulieferers auf eine Milliarde Euro verzehnfacht. "Von einem bayerischen sind wir zu einem Weltunternehmen geworden", sagte er damals stolz.

Immer unter Strom

Doch dann wurde es selbst dem Erfolgsmanager zu viel: "Obwohl ich ein recht sportlicher Typ bin, hat sich die Dauerbelastung im Job körperlich niedergeschlagen", erzählt Bleicher. Das Asthma, das er als Kind hatte, brach wieder aus. "Zwei Jahre lang konnte ich jede Nacht nur wenige Stunden schlafen. Um halb vier wurde ich wach. Und das Gedankenkarussell kreiste: Was muss ich alles erledigen, was steht an? Ich konnte einfach nicht abschalten von der Arbeit." Der heute 51-Jährige erkannte: "Die Firma war immer in meinem Kopf, der Druck allgegenwärtig." Der einzige Ausweg, den Bleicher sah, war der Rücktritt. Im letzten Juli gab er überraschend seinen Chefposten auf. Im besten Jahr der Firmengeschichte mit stabilen Aussichten.

Mit Sorgen bis zum Morgen

Bert Bleicher ist längst kein Einzelfall. Doch kaum ein Manager spricht wie er so offen über dieses Tabuthema. Tatsache ist: 81 Prozent der deutschen Führungskräfte leiden in schwierigen beruflichen Situationen unter Schlafstörungen. Und heikle Situationen sind in den Top-Etagen eher die Regel als die Ausnahme – nicht erst seit der Finanzkrise.

"Gerade unter älteren und weiblichen Führungskräften sind Schlafstörungen weitverbreitet", sagt Thorsten Kienast. Er ist ärztlicher Direktor der Max-Grundig-Klinik im Schwarzwald, die sich auf die Gesundheit von Managern spezialisiert hat. Im Auftrag der Klinik wurden 1 000 Führungskräfte befragt, wie sie mit Druck umgehen. Die Studie liegt dem Handelsblatt exklusiv vor.

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick