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Weniger arbeiten
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Umdenken

Weniger arbeiten – aber wie?

Ingrid Weidner, zeit.de
Der Traum vieler Angestellter: weniger arbeiten, mehr Zeit für die Familie. Aber finanzielle Zwänge oder unflexible Firmen erschweren das. Pilotprojekte einiger Firmen zeigen Lösungen auf.
In vielen Unternehmen dominiert immer noch die Präsenzkultur. Nur wer von morgens bis spätabends anwesend und für den Chef verfügbar ist, gilt als fleißiger und wertvoller Mitarbeiter. Ganz egal, ob er in dieser Zeit auch seine privaten Bankgeschäfte und Onlineeinkäufe erledigt – denn das bleibt oft unentdeckt. Wer "nur" Teilzeit arbeitet und wegen familiärer Verpflichtungen pünktlich den Arbeitsplatz verlassen muss, gilt als weniger leistungsstark.

Allerdings findet ein Umdenken an. Das Technologieunternehmen Bosch etwa hat 2011 ein Projekt gestartet, bei dem die Führungskräfte für mindestens drei Monate ihre Arbeitszeit reduzieren und flexibler und mobiler arbeiten sollen. Denn wenn der Chef selbst einen Tag in der Woche von zu Hause aus arbeitet oder sein Wochenpensum reduziert, hat das Vorbildfunktion für die Belegschaft und auch die Angestellten trauen sich danach zu fragen, so das Kalkül.

Mehr Zeit für die Familie

Heidi Müller-Jochum entschied sich im Oktober 2013 für das Angebot und reduzierte ihren Vollzeitjob auf 80 Prozent. "Ich wollte mehr Zeit für die Familie und für mich", begründet sie ihren Schritt. Die Betriebswirtin absolvierte bereits vor ihrem Studium eine Ausbildung zur Industriekauffrau bei Bosch und bewarb sich anschießend wieder dort. "Seit rund 20 Jahren habe ich alle drei bis vier Jahre neue Aufgaben innerhalb des Personalwesens übernommen", erzählt die heute 46-Jährige. Nach der Elternzeit stieg sie zunächst mit einem Teilzeitjob ein, seit 2010 arbeitet sie wieder Vollzeit als Abteilungsleiterin. Auch Job-Sharing hat sie schon ausprobiert, indem sie sich eine Aufgabe mit einer Kollegin teilte.

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