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Beratung und Training

Weiche Landung nach der Kündigung

Claudia Obmann
Mit Outplacement wurden früher vorwiegend ältere Führungskräfte weggelobt. Inzwischen sind die Kandidaten deutlich jünger, denn viele Berufseinsteiger werden schnell wieder entlassen. Auch höher qualifizierte Arbeitnehmer sind oft gezwungen, sich wieder neu zu orientieren.
Outplacement-Beratung soll nach der Kündigung auffangenFoto: © CAEPSELE
Es ist das besondere Abschiedsgeschenk nach der Kündigung: eine Outplacement-Beratung. Mehr und mehr Firmen engagieren externe Spezialisten, damit ihre entlassenen Mitarbeiter den Arbeitsplatzverlust rasch verarbeiten und beruflich neu Fuß fassen können. 2009 wurden sogenannte Outplacement-Beratungen im Wert von 17,75 Millionen Euro in Anspruch genommen. Laut Bundesverband Deutscher Unternehmensberater ist das eine Zunahme von 18Prozent im Vergleich zum Vorjahr.War Outplacement ursprünglich dazu gedacht, Vorstände und Geschäftsführer jenseits der 55 auf ihren Vorruhestand vorzubereiten, zeigt sich inzwischen ein neues Phänomen: Die Teilnehmer in den kombinierten Workshops und Bewerbungstrainings werden immer jünger. Der Altersdurchschnitt liegt bei Anfang 40, weil nicht selten schon Berufseinsteiger unter 30 gleich von ihrem ersten Arbeitgeber wieder entlassen werden. "Der Grund dafür sind zunehmende Umstrukturierungen, Standortschließungen oder Fusionen von Unternehmen", sagt Werner Vogel von der Hamburger Outplacement-Beratung Inplace.

Die besten Jobs von allen

Hochqualifizierte Teilnehmer"Die Teilnehmer am Outplacement werden aber nicht nur jünger, sondern sie sind vielfach hochqualifiziert", stellt Herbert Mühlenhoff, Geschäftsführer des Düsseldorfer Instituts zur Entwicklung beruflicher Perspektiven, fest. Seine Analyse von 1 000 Beratungsfällen im Jahr 2009 ergab, dass die Mehrzahl mindestens über ein mittleres Bildungsniveau verfügt: Rund 30 Prozent der Teilnehmer haben einen Fachhochschul- oder Uni-Abschluss. Fast die Hälfte aller Betreuten war als Fachkraft oder Sachbearbeiter tätig, rund 20 Prozent leiteten Gruppen oder Projekte. So wie der damals 28-jährige Diplom-Medienwissenschaftler und Spartenleiter Christoph Driemer aus Gera, den die Kündigungswelle bei AOL in Hamburg 2008 erfasste.Damit solche gut ausgebildeten Betroffenen nicht durchhängen, sondern sich selbstbewusst auf den Jobmarkt begeben, ziehen Outplacement-Berater eine erfolgsorientierte Turbo-Therapie plus Training durch. Sehr zur Überraschung der Teilnehmer. "Ich wusste nicht, worauf ich mich einlasse", sagt der Thüringer. "In Sitzungen mit acht bis zehn Teilnehmern aller Altersgruppen, Funktionen und Hierarchieebenen konnte jeder zunächst seine Sorgen, Trauer und Ängste loswerden", erzählt Driemer.Erfolgsrezept Tränen und TrainingDanach dienten weitere Gruppen- und Einzelsitzungen dazu, persönliche Stärken der Teilnehmer herauszuarbeiten und berufliche Alternativen abzuleiten. "Das hat mich für neue Perspektiven geöffnet und mir eine Struktur zur Selbstreflexion geboten, durch die ich viel über mich gelernt habe. Besonders nützlich waren die offenen Einschätzungen fremder Workshop-Teilnehmer." Nach einer Woche folgte das zweitägige Bewerbungstraining - für Driemer ein voller Erfolg: Nach gerade mal zwei Monaten Arbeitslosigkeit trat er als strategischer Kundenberater bei Google an. Alternativ zum Jobwechsel können aber auch erst noch Weiterbildungen oder eine Existenzgründer-Beratung genutzt werden - je nachdem, welche berufliche Chance ergriffen werden soll. Diejenigen Outplacement-Teilnehmer, die eine neue Arbeitsstelle angetreten haben, benötigten zu 60 Prozent weniger als drei Monate dazu. Knapp ein Viertel fand nach einem halben Jahr eine neue Aufgabe. Nur etwa 14 Prozent sind unvermittelbar.

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