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Weg mit dem High-Heels-Zwang
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Sexismus im Job

Weg mit dem High-Heels-Zwang

Teil 2: BH-Größe auf dem Namensschild, Gewichtskontrolle für Stewardessen

In Deutschland war die Drogeriekette Budnikowsky in die Kritik geraten, als sie Bekleidungsempfehlungen an die Mitarbeiter verteilt hatte. Unter anderem war den Mitarbeiterinnen nahegelegt worden, sich die Beine zu rasieren, wenn sie kürzere Röcke tragen wollten. Außerdem sollten sie auf auffälliges Make-up und knallbunten Nagellack verzichten. Nachdem die Empfehlungen öffentlich wurden, reagierte die Drogeriekette sofort und teilte mit, dass die "Orientierungshilfe" nicht mehr praktiziert würde.

In der Schweiz hatte die Bank USB 2010 für Schlagzeilen gesorgt, als sie den weiblichen Angestellten in einem Dresscode nahelegte, lieber hautfarbene Slips zu tragen. Auch hier nahm die Bank die Vorschrift wieder zurück, als sie öffentlich bekannt wurde.

BH-Größe nennen für besseren Beratungsservice?

In Schweden klagte eine Mitarbeiterin einer Damenwäsche-Kette erfolgreich auf Schadensersatz, weil der Arbeitgeber ihr außer dem Namen auch die Körbchengröße aufs Namensschild schrieb und die Mitarbeiterin zwang, diese im Verkauf zu tragen. Die Argumentation der Geschäftsführung: So könne man den Kunden einen besseren Beratungsservice anbieten, weil sie am lebenden Beispiel der Verkäuferin die Körbchengröße beurteilen könnten. Das Gericht war hier anderer Auffassung: Durch die betriebliche Anweisung sei die Mitarbeiterin sexuell diskriminiert und in ihrer Würde verletzt worden, argumentierten die Richter. Das Unternehmen musste der Frau rund 6.000 Euro zahlen.

Und auch bei der staatlichen indischen Fluglinie Air India nahm man eine diskriminierende Anweisung wieder zurück, nachdem es öffentliche Proteste gab. Die Airline hatte von ihren Stewardessen über 40 Jahren den Body-Mass-Index verlangt. Wer zu dick sei, solle nicht mehr fliegen dürfen, hieß es. Gewerkschaften werteten die Vorschrift als einen Versuch, durch Gewichtskontrollen die älteren und schwer kündbaren Angestellten unter Druck zu setzen. Aber die Maßnahme wurde schließlich zurückgenommen.

Zuerst veröffentlicht auf zeit.de
Dieser Artikel ist erschienen am 27.05.2016

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