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Weg mit dem High-Heels-Zwang
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Sexismus im Job

Weg mit dem High-Heels-Zwang

Tina Groll, zeit.de
Weil sie in Schuhen mit hohen Absätzen zur Arbeit erscheinen sollte, startete eine Britin eine Petition. Mit Erfolg: Kleidervorschriften dürfen nicht sexistisch sein.
Können Empfangssekretärinnen dazu verpflichtet werden, mit Pumps und High Heels zur Arbeit zu erscheinen? Eine britische Zeitarbeitsfirma hatte diese Vorschrift tatsächlich in ihren Richtlinien. Sie vermittelt Empfangspersonal an namhafte Unternehmen – darunter auch die Unternehmensberatung und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Bei dieser sollte Zeitarbeiterin Nicola Thorp eingesetzt werden. Vor ihrem Einsatz bekam die 27-Jährige die Anweisung, mindestens Schuhe mit Absätzen zwischen fünf und zehn Zentimetern zu tragen. Andernfalls könne sie sich einen anderen Job suchen, so die junge Frau.

Thorp empfand diese Anforderung allerdings als sexistisch – zumal den männlichen Kollegen nicht solche Vorschriften gemacht wurden. Sie startete eine Online-Petition, die in kurzer Zeit von mehr als 100.000 Briten unterzeichnet wurde. Jetzt muss sich das Parlament mit dem Anliegen befassen. Denkbar ist sogar, dass daraus ein Gesetz werden könnte, das es britischen Arbeitgebern generell untersagt, Frauen zum Tragen von High Heels zu verpflichten.

Immer wieder Rechtsstreits wegen Kleidervorschriften
 
Die Aktion verbreitete sich schnell im Netz und in der internationalen Presse. PwC erklärte, dass man keineswegs den Mitarbeiterinnen Bekleidungsvorschriften hinsichtlich des Schuhwerks mache – allerdings war Thorp ja auch keine PwC-Mitarbeiterin, sondern nur eine Leiharbeiterin. Mittlerweile hat allerdings auch die Entleihfirma reagiert und ihre Richtlinien überarbeitet, teilte das Unternehmen auf Twitter mit.
 
Immer wieder führen Kleidervorschriften zu rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Denn zumeist agieren Unternehmen mit ihren Richtlinien in einem Graubereich des Arbeitsrechts. In Deutschland schützt einerseits das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vor einer sexistischen Diskriminierung oder Benachteiligung. Und auch die im Grundgesetz stehenden Persönlichkeitsrechte sichern Arbeitnehmer gegen allzu strenge Vorschriften ab. Gleichwohl haben Arbeitgeber qua Weisungsbefugnis und durch ihr Direktionsrecht das Recht, ihren Beschäftigten Vorschriften zu Kleidung und äußerlichem Auftreten zu machen. Allerdings dürfen solche Vorgaben nur dem berechtigten Interesse dienen, dass Beschäftigte mit Kundenkontakt ein gepflegtes Äußeres haben. Sie dürfen aber nicht die Persönlichkeitsrechte beschneiden, sich als sexistisch erweisen oder gar ein Gesundheitsrisiko darstellen. Und gibt es einen Betriebsrat im Unternehmen, hat er bei Bekleidungsvorschriften immer ein Mitbestimmungsrecht.

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