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Gehalt

Wechseln oder neu verhandeln?

Daniel Rettig / wiwo.de
Der Arbeitsmarkt spürt den Fachkräftemangel. Ist nun die Zeit für einen Unternehmenswechsel, oder sollte man nur das Gehalt neu verhandeln? Dazu äußert sich der Managementcoach Roland Jäger im Interview.
Hinzu oder weg von etwas?Benjamin Thorn / Fotolia.com
Herr Jäger, wie bewerten Sie derzeit die Chancen für eine Gehaltserhöhung?
Sehr gut. Der Fach- und Führungskräftemangel wird immer offensichtlicher und sorgt für Druck auf die Arbeitgeber. Zumindest ist jetzt eine gute Zeit, sein Gehalt neu zu verhandeln – auch weil der wirtschaftliche Aufschwung da ist und im Sinne eines gerechten Tauschhandels nun einfach die Arbeitnehmer dran sind.

Gleichzeitig steigt bei vielen auch die Bereitschaft, sich nach einem neuen Job umzusehen.
Ja, und darin liegt eine Gefahr. Wer wechseln will, sollte das keinesfalls blauäugig tun – denn das Risiko des Scheiterns ist nicht unbedingt kleiner geworden.

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Was würden Sie einer wechselwilligen Führungskraft raten?
Sie sollte sich vorab einige Fragen beantworten. Warum will sie wechseln? Was sind ihre Ziele? Welchen übernächsten Karriereschritt hat sie im Sinn – und ist der nächste Schritt überhaupt ein Teil des Weges dorthin?

Die größte Gefahr ist doch sicher, bei einem Wechsel traditionell nur die Chancen zu sehen und die Risiken komplett auszublenden.
Ja, Psychologen sprechen auch von der Hin-zu- und der Weg-von-Motivation. Zweitere ist immer ein schlechter Ratgeber. Man darf nicht vergessen: Nichts hat nur Vorteile – letztendlich muss der Nutzen eines Wechsels die Kosten überwiegen.

Aber gegen einen Schritt zur Seite ist doch an sich nichts einzuwenden. Oder?
Innerhalb eines Unternehmens mag das funktionieren. Ein Wechsel des Arbeitgebers ist jedoch mit Risiken verbunden, denn man gibt damit gleichzeitig lieb gewonnene Annehmlichkeiten auf. Das will gut überlegt sein.

Also sollte man vorher die Chancen und Risiken ganz nüchtern analysieren.
Ja - und meistens geht diese Analyse zugunsten des bisherigen Arbeitgebers aus. Das hat aber keinesfalls Nachteile. Wer sich erneut für seine Firma entscheidet, zeigt in der Folgezeit eine stärkere Bindung.

(Artikel zuerst erschienen auf wiwo.de)
Dieser Artikel ist erschienen am 28.03.2011

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