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Ganic Water

Wasser mit exklusivem Aroma

Gero Brandenburg
MBA-Absolvent Cinto Gersie bringt Ganic Water, ein Quellwasser aus Norwegen auf den Markt. Der Clou ist der Geschmack - das Angebot reicht von Aloe bis Zimt. Was 2007 mit dem Businessplan als MBA-Thesis begann, ist heute ein erfolgreiches Geschäft.
Cinto Gersie im Firmenlager im hessischen LangenselboldFoto: © Alexandra Lechner
Diese Autofahrt ist kein Vergnügen. Vier Stunden lang geht es über schlechte Straßen, über Schnee und Eis. Dann aber haben Cinto Gersie und Peter Bruhn ihr Ziel erreicht: die Snarttland-Quelle im Süden Norwegens. Es ist der 17. Dezember 2007. Der Tag, an dem sie finden, wonach sie monatelang gesucht haben: Wasser. Aber nicht irgendein Wasser, sondern den idealen Rohstoff für ihr Lifestyle-Produkt.Knapp zwei Jahre später sitzt Cinto Gersie, 29, in seinem Büro in Langenselbold, gut 30 Kilometer östlich von Frankfurt und nimmt einen Schluck aus der Pet-Flasche. "Mit Ingwer, das ist etwas schärfer", erklärt er. "Wir dachten Cranberry Pearl sei der Topseller, aber Aloe Infusion und Smooth Ginger laufen noch besser." Das norwegische Quellwasser gibt es seit Anfang 2009 als Ganic Water in Spa-Hotels, Beauty-Shops und Boutiquen zu kaufen, 0,5 Liter für zwei Euro in 15 verschiedenen Geschmackssorten - von American Jasmin bis Spearmint.

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Schmeckt das? Arno Steguweit ist Wassersommelier und Restaurantleiter des Berliner Sterne-Restaurants Fischer's Fritz. Wasser mit Aroma lehnt er ab. Eigentlich. Über Ganic Water sagt er: "Ich habe viel Gutes gehört: kein Zucker, reine Geschmacksnoten, leicht und erfrischend. Anders als andere Nearwater-Getränke." Gäbe es die pure Variante in einer Glasflasche, würde Steguweit sie wohl auf die Karte nehmen.Dass MBA-Absolventen eigene Unternehmen gründen, ist nicht ungewöhnlich. Fast immer aber sind es Web-2.0-Firmen. Mit einem scheinbar simplen Konsumgut wie Wasser ist Gersie eher Außenseiter im Kreis der Alumni der Privatuniversität WHU. Es gab konkrete Anfragen der Handelsriesen Edeka, Rewe und Lekkerland. Doch eine Zusammenarbeit kommt für die Ganic-Water-Gründer vorerst nicht in Frage. Gersie: "Wir haben uns dagegen entschieden, um den exklusiven Charakter in der Startphase nicht zu gefährden." Die Marke solle behutsam aufgebaut werden.Wasser für den Lifestyle-MarktRückblick: Gersie wächst am Bodensee als Sohn eines Deutschen und einer Holländerin aus Surinam auf. Nach dem Abitur folgt das Studium in Maastricht, Gersie wählt International Management und macht 2004 seinen Bachelor. Weil ihn die Hotel- und Tourismusbranche lockt, geht er zu Center Parcs, wird Assistent des Einkaufsleiters. Er arbeitet und lernt viel, erkennt aber auch, dass seine Aufstiegschancen begrenzt sind. Er will sich neu orientieren und stößt auf das MBA-Programm der WHU in Vallendar. Als Gersie Auswahlverfahren und Interviews erfolgreich hinter sich gebracht hat, kündigt er. Sein Arbeitgeber reagiert sofort, bietet ihm mehr Verantwortung und will sein Gehalt verdoppeln. "Das war auch nicht schwer, ich hatte zu Beginn schlecht verhandelt", sagt Gersie. Die Offerte schmeichelt ihm, aber die Entscheidung für die WHU ist längst gefallen.

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