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Dieter Gerten

"Wasser ist eine Herausforderung"

Judith Schallenberg
Dieter Gerten ist Geograf am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Er tastet die Erde nach verfügbaren Wasserreserven ab. Im Interview spricht er über die Aufgaben von Hydrologen, Geologen und Ingenieuren.
Dr. Dieter Gerten ist Wasserexperte am Potsdam-Institut für KlimaforschungFoto: © PR
Herr Gerten, Sie forschen an einem der renommiertesten Klimaforschungsinstitute. Wie kommt man dazu? 
Über den Müggelsee in Berlin! (lacht) Ich habe als Student Klimaeffekte auf den See untersucht. Heute ist mein Thema die gesamte Biosphäre, Wasser ein zentraler Aspekt. Ich leite eine Gruppe, die die Wasserressourcen und Ökosysteme der Erde modelliert.
Wie muss man sich das vorstellen? 
Als Computerjob mit Weitblick: Mit einem Simulationsmodell tasten wir die Erde im Abstand von 50 mal 50 Kilometern per Gitternetz ab und testen die einzelnen Regionen auf Wasserverfügbarkeit und Wassermangel - heute und künftig. Wir fragen: Wie beeinflussen Wasserentnahmen oder Abholzungen den Wasserkreislauf?

Die besten Jobs von allen

Fast zwei Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Wo liegen die drängendsten Probleme? 
In Südasien und Afrika. Wassermangel und Dürre prägen aber auch die südlichen USA und Mexiko, Südeuropa, den Nahen und Mittleren Osten sowie Teile Australiens und Südafrikas. Ironie des Schicksals: Auch die Hochwassergefahr steigt vielerorts.
Gibt es Lösungen? Und wer hat sie? 
Die Zukunft liegt im umsichtigen Management von Wasser. Das ist mehr als die effiziente Nutzung des sogenannten blauen Wassers in Flüssen, Seen, dem Untergrund. Besser managen müsste man vor allem das grüne Wasser, also im Boden gespeichertes Regenwasser: 70 Prozent aller Nahrungsmittel auf der Welt werden damit produziert.
Was können Hydrologen, Geologen oder Ingenieure praktisch tun? 
Etwa für Regionen die optimalen Varianten für eine bessere Wassernutzung berechnen und festlegen. Es gibt Dutzende Methoden der Wassereinsparung in der Landwirtschaft - Tröpfchenbewässerung, Sprinkleranlagen, großräumige Stauverfahren. Die sind aber oft kritisch - in Teilen Indiens und der USA ist der Untergrund zum Teil bereits leer gesogen. Ingenieure müssen weiter denken.
Gibt es weitere Felder für Fachkräfte?
Ja, in der Hochwasserprävention, in der Siedlungswasserwirtschaft, im virtuellen Wasserhandel. Länder mit viel Wasser exportieren zum Beispiel Güter, deren Herstellung viel Wasser erfordert, in Länder, die weniger Wasser haben. Jordanien etwa ist vom Import von Gütern abhängig - dem Land fehlt Wasser für ihre Produktion. Virtueller Wasserhandel ist im Idealfall ein globaler Ausgleichsmechanismus. Leider sind viele arme Länder davon ausgeschlossen.
Was raten Sie Absolventen? 
Nehmen Sie die Herausforderung Wasser an! Wichtig sind Fremdsprachen, man sollte rechnen können, breit denken, global unterwegs sein. Der Sektor arbeitet kleinteilig. Wasserprobleme müssen lokal gelöst werden. Ohne ein genaues Sichten des jeweiligen Umfelds geht in der Praxis nichts. Das sind politisch, religiös, soziologisch und ökonomisch anspruchsvolle Jobs: für Ökonomen mit Wasser- oder Agrarexpertise, für Agrarökonomen oder Juristen in Fragen des Wasserrechts. Oder für Soziologen und Politologen, die vermitteln.
Zum Haupttext: Wer rettet unser Wasser?
Dieser Artikel ist erschienen am 01.01.2010

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