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Superstar-Effekt

Warum wir uns einschüchtern lassen

Jochen Mai, Daniel Rettig / wiwo.de
Prämien, Boni und Incentives als Belohnung und Ansporn sind in der Wirtschaft weit verbreitet. Doch kann der Sinn dahinter schnell verfehlt sein – nämlich dann, wenn Kollegen eingeschüchtert werden und annehmen, es würden immer die selben Leute belohnt.
Golf groß
Foto: R. Sturm/Pixelio
Anwesenheit von Top-Leuten macht klein

Es gibt Menschen, für die scheinen Selbstzweifel nicht zu existieren. Solche Typen glauben, mit ihrer Erkältung die Schmelze der Polarkappen aufhalten zu können. Eine solche Attitüde ist zwar bewundernswert – sie kann aber auch enorm einschüchtern. Vor allem jene, die es besser wissen sollten.

Jennifer Brown ist Professorin an der renommierten Kellogg School of Management in Chicago und hat 2008 die Statistiken aller Golfturniere der elitären US-Profiliga PGA von 1999 bis 2006 ausgewertet, an denen auch der Superstar Tiger Woods teilnahm. Ihre Ergebnisse sind mehr als erstaunlich: Allein die Anwesenheit des Ausnahmetalents schien seine Konkurrenten zu beeinflussen – und zwar negativ.

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Wenn sie gegen ihn antreten mussten, litt ihre Leistung. Und zwar erheblich: Im Schnitt brauchte jeder der anderen Weltklassespieler 0,8 Schläge mehr als sonst.

Ist das nicht seltsam? Wir reden hier ja nicht von Hobbyathleten, sondern von austrainierten Spitzensportlern mit jahrelanger Erfahrung. Man würde erwarten, dass sie die Anwesenheit des größten Golfstars eher anspornen würde, schließlich ist es die Chance, der Welt zu zeigen, dass so ein Tiger Woods eben doch nicht unschlagbar ist. Doch genau das Gegenteil trat ein: Woods’ Präsenz schüchterte seine Mitspieler ein und ließ sie körperlich und mental verkrampfen.

Jennifer Brown nennt das den Superstar-Effekt. Sie führt das Phänomen vor allem auf die Systematik des Preisgeldes zurück: Während die besten 15 Spieler etwa 70 Prozent der Ausschüttung bekommen – fast 20 Prozent nimmt allein der Sieger mit nach Hause –, erhält der 70. im Turnier nur noch rund 0,2 Prozent. Brown resümierte daher, der Anreiz, sich anzustrengen, sei nicht groß genug, wenn ein Superstar mit von der Partie ist.

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