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Confirmation-Bias

Warum wir einmal gefasste Meinungen selten ändern

Jochen Mai, Daniel Rettig / wiwo.de
Unhaltbare Wahlversprechen oder geschönte Bilanzen: Flunkereien geschehen nicht immer aus betrügerischer Absicht - oder spielt uns einfach nur das Ego einen Streich.
Bilanz
Foto: M. Greitschus/Pixelio
"Ich mach' mir die Welt..."

Objektivität – was ist das eigentlich? Der Mensch ist nicht nur die Krone der Schöpfung, sondern leider auch spitze darin, sich seine eigene Wirklichkeit zu schaffen: „Ich mach' mir die Welt, widdewidde, wie sie mir gefällt!“, trällerte Pippi Langstrumpf. Was bei der beliebten Romangöre zum fröhlichen Selbstverständnis gehörte, endet im realen Leben jedoch leider in einem Universum aus Selbsttäuschung, Schönfärberei und Selbstgerechtigkeit. Das äußert sich dann etwa in der Politik in unhaltbaren Wahlversprechen oder in der Wirtschaft in geschönten Bilanzen.

Längst nicht immer geschehen solche Flunkereien jedoch aus betrügerischer Absicht. Oft ist es schlicht unser Ego, das uns dabei einen Streich spielt – sei es aus Harmoniestreben, Sturheit oder geistiger Faulheit. Schon in der Bibel warnt Apostel Paulus: „Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst.“ 2000 Jahre später haben Psychologen dieser Erkenntnis einen Namen gegeben: Confirmation-Bias oder auf Deutsch: Bestätigungsfehler. Stark vereinfacht lässt er sich so beschreiben: Wir pflegen Vergesslichkeit aus Notwehr. Oder etwas ausführlicher: Wir tendieren dazu, unsere Entscheidungen, Handlungen und Fehler mental zu verklären, nur um uns dadurch besser zu fühlen. Ein Nebeneffekt ist allerdings auch, dass wir aus der Vergangenheit leider nichts Vernünftiges lernen.

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Um diesem Reflex zu erliegen, müssen wir nicht einmal Fehler machen. Der menschliche Verstand tendiert ständig zu selektiver Wahrnehmung: So nehmen die meisten von uns zum Beispiel nur solche Informationen auf, die in ihr Weltbild passen. Der Rest wird einfach ausgeblendet.

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